{"corpus":"steiner","locus":"GA 65/1915-12-10/p018","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Daher steht Geisteswissenschaft auf dem Standpunkt, daß gerade mit dem, was wahres Hellsehen, wahres Hellhören ist, alle diese krankhaften Kräfte, die den Menschen zu untersinnlichem Anschauen führen können, überwunden werden. Was der wirkliche Geistesforscher entwickelt, ist nicht dasselbe wie das, was der krankhafte Mensch entwickelt, wenn er, wie man es so nennt im gewöhnlichen Leben, hellsichtig wird und zu Halluzinationen kommt, sondern es ist gerade das, was die Halluzinations-Kräfte im Menschen überwindet, was alle Halluzinations-Kräfte im Menschen ausrottet, was all dasjenige, was zu Illusionen führt, tötet im Menschen. Zur geistigen Wirklichkeit kommt man eben gerade dadurch, daß man sich nach der anderen Seite entfernt von jenem krankhaften Ins-UntersinnlicheHinuntertauchen, was man im gewöhnlichen Leben Hellsichtigkeit oder Hellhörigkeit nennt. Daher ist dasjenige, was hier geschildert worden ist, das ja gerade darin besteht, daß man nicht wie beim gewöhnlichen Hellsehen tiefer in seinen Organismus hinuntertaucht, sondern sich über ihn erhebt, unabhängig von ihm wird, und dadurch in der geistigen Welt schaut und hört, ein Hellsehen, das im Gegensatz zum gewöhnlichen Hellsehen ein absolut gesundender Prozeß ist. Es kann nur gesundend sein, kann nur zu einer Erhöhung alles illusionsfreien menschlichen Erlebens führen gegenüber dem Erleben, wie es in der gewöhnlichen Sinneswelt vorhanden ist. Während der Halluzinierende, der Illusionierende, derjenige, den man oftmals im gewöhnlichen Leben einen Hellseher nennt, eben ein Phantast ist, weil er in das Untersinnliche hinuntergeht, ist bei dem, der wahres Hellsehen und wahres Hellhören entwickelt, dasjenige, was gesunde Lebensauffassung ist, nur eben erhöht, so daß bei ihm sogar viel weniger eine Illusion möglich ist gegenüber der Welt, als bei demjenigen, der bloß mit seinen gesunden fünf Sinnen und seinem gesunden Menschenverstand in die Welt hineingeht.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"4. Menschenseele und Menschengeist","site_heading":null,"date":"1915-12-10","location":null,"word_count":274,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/65/1915-12-10/p018","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/65/1915-12-10/p018"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/65/1915-12-10/p018","paragraph_aligned":true}],"translation_faults_against":[{"locus":"GA 65/1915-12-10/p018","lang":"en","edition":"English","translation":"Steiner Online Library (rsarchive SOL2024)","kinds":["substitution"],"note":"This sentence substitutes supersensible for sub-sensible. The German says that true clairvoyance and clairaudience overcome all the morbid forces that can lead man to sub-sensible seeing (untersinnliches Anschauen). The translation has these morbid forces lead to supersensible vision, the term the lecture keeps for what true clairvoyance reaches.","url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/65/1915-12-10/p018?edition=English"}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}