{"corpus":"steiner","locus":"GA 65/1915-12-10/p025","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Wenn man sich nun das gewöhnliche Leben, die gewöhnlichen inneren Seelenerlebnisse ansieht, so muß man sagen: Diese inneren Erlebnisse des Menschen sind so, daß fortwährend, ohne daß es der Mensch weiß, die Gegenstände der Hellsichtigkeit und Hellhörigkeit in ihm sind, daß fortwährend in seinem gewöhnlichen Seelenleben diese Gegenstände tätig wirksam sind. Es bleibt wirksam in uns, was von der geistigen Welt in uns hereinkommt, indem es durch die Empfängnis und die Geburt geht, Das ist dasjenige, was der Mensch, wenn er es nun bemerkt, mehr das Geistige in seinem Seelenleben nennt. Dasjenige aber, was durch die Pforte des Todes schreitet, was in dem Willen liegt, so liegt, daß es wie ein innerer Zuschauer ist, das ist dasjenige, was der Mensch, wenn er es nicht im Zusammenhange mit dem ganzen Makrokosmos, sondern im gewöhnlichen Seelenerlebnis in sich hat, mehr das Seelische in sich nennt. Und das Geistige und Seelische in all der Mannigfaltigkeit, in all der Vielartigkeit, wie sie auftreten, führen zuletzt auf diese beiden Einschläge in die menschliche Natur zurück. Der Geist, der liegt immer in dem, was wir nach der Denkseite hin entwickeln. Man wird dadurch geistreich — wenn das Wort jetzt nur im technischen Sinne gebraucht werden darf —, daß man, ohne die Wege des Geistesforschers zu gehen, die einem da noch im Unbewußten bleiben können, dieses Denken zu immer größerer innerer Beweglichkeit, zu immer größerer Erfindungsgabe ausbildet, so daß einem Gedanken reichlicher zufließen, so daß sie verwandter sind dem, was innerlich zusammengehört in der Ideenfolge, die man haben kann. Durch dieses Geistreicherwerden, in dem also das lebt, was seiner wirklichen Wesenheit nach durch den angeführten Denk-Meditationsweg gefunden werden kann, durch dieses Geistige in der Menschenseele lernt man vorzugsweise im Leben — aber jetzt praktisch, nicht theoretisch gemeint — dasjenige, was man Menschenkenntnis nennen kann. Man lernt, was einen anleitet, den Menschen in der richtigen Weise in die Welt hineinzustellen. Man lernt, was überhaupt die Zusammenhänge der Welt vor der eigenen Seele enthüllt. Man entfernt sich dadurch in einer gewissen Weise, indem gerade der Geist sich ausbildet, von dem, was sich so recht als physischer Mensch ausdrückt. Man nähert sich durch die Ausbildung seines Geistigen dem, was nun gerade vorzugsweise tätig war, damit wir in die Sinneswelt hereinkamen. Dadurch entfernt man sich in einer gewissen Weise durch das Geistreichwerden von dem, was unmittelbar in der Sinneswelt erlebt wird. Daher rührt es, daß man durch das Geistreichwerden in eine gewisse kühle Atmosphäre hineinkommt. Aber durch das Überschauen der weisheitvollen Zusammenhänge der Welt, die sich vor der inneren Seele enthüllen, kann man in dieser Richtung weit kommen. Man kann vieles zusammentragen in der Welt, empfinden, was der andere nicht empfindet, in der Lage sein, vieles auszusprechen an Weltzusammenhängen, auch Dinge erfinden, die dann aus den Weltzusammenhängen heraus in die Wirklichkeit umgesetzt werden. Man kann auf diese Weise weit kommen. Das ganze verläuft so, daß die Welt, ich möchte sagen, lichtvoller wird, daß sie für uns durchschaubar wird. Es ist das Geistreichwerden, das Aufgehen des Geistes im menschlichen Innern wie eine Vorstufe, wie eine noch nicht von wahrer Hellsichtigkeit durchtränkte Vorstufe eines Hineingehens in die Welt, aus der wir herausgekommen sind durch die Empfängnis oder durch die Geburt.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"4. Menschenseele und Menschengeist","site_heading":null,"date":"1915-12-10","location":null,"word_count":527,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/65/1915-12-10/p025","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/65/1915-12-10/p025"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/65/1915-12-10/p025","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}