{"corpus":"steiner","locus":"GA 65/1915-12-10/p026","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Man wird nicht seelenreich, sondern man wird seelenvoll. Das Seelische liegt, indem es sich entwickelt, in der Vertiefung des inneren Erlebens. Wer das Seelische in sich vertieft, kommt noch nicht zum hellhörigen Erleben seines inneren Beobachters, aber dieser Beobachter wirkt in ihm auf eine besonders starke und intensive Weise, so daß sein inneres Seelenerleben wirklicher wird, als es sonst ist. Er wird seelenvoll. Dadurch lernt er weniger im Leben das, was Menschenkenntnis ist, was umfassendes, lichtvolles Anschauen der Weltverhältnisse und des Zusammenhanges des Menschen mit den Weltverhältnissen ist, aber er wird innerlich realer in seinem Erleben. Die Seele wird intensiver, sie wird innerlich erkraftet. Was im Willen lebt, man möchte sagen, im Willen schwingt und flutet während des Lebens, Lust und Leid, Freud’ und Schmerz, die auf- und abfluten und im Grunde innerlich zusammenhängen mit der Willensnatur des Menschen — es könnte das streng psychologisch bewiesen werden, aber dazu ist keine Zeit —, das wird in einer intensiveren Weise erlebt, wenn der Mensch in dieser Weise erstarkt in sich. Nicht nur was in ihm selbst als Lust und Leid vorhanden ist, was an inneren Gefühlen aus ihm aufsteigt, wird intensiver erlebt, sondern er kann gerade durch dieses Erstarken des Seelischen seine Lust und sein Leid ausdehnen auf dasjenige, was Lust und Leid, was Freude und Schmerz, was Glück und Elend in anderen Wesen ist, die um ihn herum sind. Das hängt mit dem Seelenvollen zusammen. Das aber hängt wiederum zusammen mit dem, was als Wesen der einzelnen Individualität durch die Pforte des Todes geht, was mitgenommen wird durch die Pforte des Todes, indem es sich in der heute vor acht Tagen beschriebenen Weise mit dem verbindet, was nun der Geist ist und was durch die Meditation im Denken erreicht wird.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"4. Menschenseele und Menschengeist","site_heading":null,"date":"1915-12-10","location":null,"word_count":290,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/65/1915-12-10/p026","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/65/1915-12-10/p026"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/65/1915-12-10/p026","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}