4. Menschenseele und Menschengeist
So wird man stark in der Liebe, indem die Seele sich erstarkt. So wird man licht im Geiste, wenn der Geist sich erstarkt. Aber indem man den Geist erstarkt, entfremdet man sich ja auf der anderen Seite in der Weise, wie ich es geschildert habe, dem Zusammenhange mit der innerlichen Leibeswirklichkeit, mit der Wirklichkeit, die einen in die Sinneswelt hineinstellt. Daher muß man nicht in einer falschen Weise wirklichkeitsfeindlich werden, denn sonst könnte man mit diesem Entfernen nach der Richtung des Geistigen, mit dem Verlassen der Leiblichkeit sehr leicht wirklichkeitsfremd werden. Man könnte den Zusammenhang verlieren, den das lebendige Denken mit der Wirklichkeit hat, auch wenn er nicht bewußt wird, sondern nur unbewußt erlebt wird, wie es im gewöhnlichen Leben der Fall ist. Dann würde man durch eine Abirrung des Geistes dahin kommen, wo sich die Gedanken - einer aus dem anderen — herausspinnen, wo man aber in diesen Gedanken nicht mehr so intensiv drinnen lebt, daß man den Zusammenhang mit der Wirklichkeit hat. Man kommt gerade dann in einen seelischen Vorgang hinein, innerhalb dessen man denken kann, aber man verliert den Zusammenhang mit der Wirklichkeit. Man wird zum Zweifler, zum Skeptiker. Und man wird, wenn sich das bis zu einem gewissen Grade steigert, alle Qualen der Skepsis durchmachen können, man wird dasjenige, was im Denken sich vollzieht, abspielt, nur für Sophistik halten können. Man wird zum Skeptiker, der nicht aus dem Quell der Wirklichkeit seine geistige Nahrung hat.