4. Menschenseele und Menschengeist

GA 65/1915-12-10/p033 ·1915-12-10 · original (original)
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Ich bringe da etwas aus dem Leben vor, das selbstverständlich für viele, die gewohnt sind, in der gegenwärtigen Weise philosophisch zu denken, als etwas Belächelnswertes aufgefaßt werden kann. Aber es zeigt wirklich anschaulich, wie Carneri, also der Mann, der die Ethik aus dem Materialismus heraus zaubert, der die selbständigen Kräfte des menschlichen Innern eigentlich theoretisch leugnet, in einem Moment, der ihm aufdrängte aus seinem tiefsten Innern heraus zu sprechen, sein eigener Gegner wird und für einen Moment so spricht, wie wenn er der beste Anhänger einer Lehre wäre, welche die Selbständigkeit des Geistes und der Seele des Menschen, wie ich das heute dargestellt habe, anerkennt. Da erzählt eine Freundin von Carneri, Marie Eugenie delle Grazie, wie sie einmal mit ihm, als er schon ein hohes Alter erreicht hatte, zusammengewesen war, nachdem er wiederum einen Anfall gehabt hatte, der so recht zeigte, wie die Unbehaglichkeiten das Leben zur Qual machen können. Sie sagte zu ihm: «Wie konnten Sie das ertragen all die Jahre her und sich dabei dieses Lächeln bewahren, diese Güte und Lebensfreude?» Marie Eugenie delle Grazie, die österreichische Dichterin, sagte es nicht nur, sondern sie «schrie gequält auf», als dieser Mensch die Schwierigkeit des Atmens so qualvoll empfand und einen Erstickungsanfall hatte. Dann beschreibt sie weiter:

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Cite: GA 65/1915-12-10/p033 · edition original