14. Die deutsche Seele in ihrer Entwickelung

GA 65/1916-04-13/p007 ·1916-04-13 · original (original)
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Sie wissen, daß derjenige, der im Sinne der Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist, spricht, von Volksseele nicht in einem solchen Sinne spricht, wie man so sehr häufig von Volksseele redet, wenn man ein Abstraktling oder ein mehr oder weniger mechanistisch denkender Wissenschafter ist, sondern daß ein solcher Geistesforscher von der Volksseele als von etwas wirklich Vorhandenem spricht, so wie innerhalb der physischen Welt der einzelne Mensch vorhanden ist. Selbstverständlich kann ich im heutigen Vortrage nicht all das wiederholen, was ich seit Jahren immer ausgeführt habe. Aber man braucht sich ja nur aus den hier oft angeführten Schriften die sogenannten Beweise dafür zu holen, wie berechtigt es ist, aus geisteswissenschaftlicher Forschung heraus, wirklich von solchen höheren, nicht bis zur physischen Verleiblichung heruntergestiegenen Seelen zu sprechen, wie das hier von der Volksseele geschehen soll. Will man aber im geisteswissenschaftlichen Sinne über die Volksseele sprechen, muß man zunächst gewisse Dinge ins Auge fassen, welche sich auf die einzelne Seele des Menschen beziehen. Denn zunächst haben wir ja das Wirken der Volksseele so vor uns, daß das Wirken der einzelnen Menschenseelen, die Artung der einzelnen Menschenseelen gewissermaßen herausströmt, herauskraftet aus dem, was Volksseele ist. Nun gibt es gewisse Dinge, welche im Leben, namentlich im seelischen Leben — aber dieses seelische Leben ist ja mit dem physischen Leben zwischen der Geburt und dem Tode innig verknüpft — für die Geistesforschung in einem ganz anderen Sinne noch in Betracht kommen, als sie in Betracht kommen für dasjenige, was man heute oftmals Naturwissenschaft nennt, oder wenigstens für dasjenige, innerhalb dessen man Naturwissenschaft heute so häufig begrenzt.

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