{"corpus":"steiner","locus":"GA 65/1916-04-13/p008","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Zuerst muß ich da Ihren Blick auf die Entwickelung des einzelnen Menschen lenken. Es gibt für den Geistesforscher gewisse Abschnitte im menschlichen Leben, welche er besonders ins Auge fassen muß, um hinter die Geheimnisse der Entwickelung des Menschen, des ganzen, vollen Menschen zu kommen. Wie gesagt, ich kann heute das Einzelne nicht beweisen, ich kann nur Ergebnisse der Geistesforschung anführen. Ich muß in bezug auf die Begründung auf die früheren Vorträge oder auf meine Schriften verweisen. Ein solcher Abschnitt ist zunächst gegeben in denjenigen Jahren, in denen der Mensch in seiner Entwickelung dem Zahnwechsel unterworfen ist. Gewiß, vieles von dem, was ich jetzt werde sagen müssen, nimmt sich gegenüber den heute so fest geltenden und in so scharf umrissenen Begriffen eingeschnürten naturwissenschaftlichen Vorstellungen wie flüssig aus. Aber Geisteswissenschaft muß ja in vielen Fällen wirklich eine Rolle spielen, die ich etwa vergleichen möchte mit dem, was der Maler als Stimmung über eine Landschaft ausbreitet, die er sonst, insoferne Häuser und Bäume in Betracht kommen, in festen Umrissen malt. Was an Häusern und Bäumen in festen Umrissen da ist, was gewissermaßen scharf umrissene Zeichnung ist, wird erst in der richtigen Weise, ich will jetzt nur sagen, malerisch, wenn alles, was nun Stimmungsgehalt des Bildes ist, ausgegossen ist. Und dieser Stimmungsgehalt ist wahrhaftig nicht in so feste Formen zu bannen, wie dasjenige, was unten an Häusern, Bäumen und dergleichen gezeichnet wird. Also das siebente Jahr ungefähr — selbstverständlich sind alle diese Zahlen nur ungefähr aufzufassen -, die Zeit des Zahnwechsels, ist besonders ins Auge zu fassen. Und da erscheinen dem Geistesforscher in der menschlichen Entwickelung gewisse Vorgänge, die gewiß feiner sind, die, ich möchte sagen, wie nur in der Stimmung ausgegossen sind über das menschliche Seelenleben, die aber zum Verständnisse dieses Seelenlebens von hoher Wichtigkeit sind. In diesem Zahnwechsel drückt sich für den Geistesforscher ein vollständiges Abstreifen desjenigen aus, was als physische Kräfte bis dahin in ihm gewirkt hat, und wie das Herausdrängen eines Wesens an die Oberfläche, das gewiß schon seit langem an die Oberfläche wollte, das aber, ich möchte sagen, wie eine Verdoppelung seines Wesens ist. Und in dem Ausstoßen der ersten Zähne und ihrem Ersatz durch die zweiten Zähne drückt sich nur an einer besonderen Stelle markant, besonders hervorragend etwas aus, was im ganzen menschlichen Organismus in dieser Zeit vor sich geht.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"14. Die deutsche Seele in ihrer Entwickelung","site_heading":null,"date":"1916-04-13","location":null,"word_count":382,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/65/1916-04-13/p008","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/65/1916-04-13/p008"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/65/1916-04-13/p008","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}