14. Die deutsche Seele in ihrer Entwickelung
Wenn man den Menschen im allgemeinen prüft, so kann man ja allgemeinere Grundsätze geltend machen. Wenn man einen einzelnen Menschen prüfen will, so wird jeder selbstverständlich leicht einwenden können, aber der Einwand ist billig, ich kann jetzt nur nicht darauf eingehen - : Nun ja, da muß man also, wenn man den Menschen verstehen will, bis zu seinem Zahnwechsel warten, bis er so alt geworden ist. Gewiß, für den einzelnen Menschen muß man ja auch warten, wenn man ihn verstehen will. Aber Sie wissen ja, Wissenschaft wird nicht bloß durch einzelne Beobachtungen erlangt, sondern dadurch, daß das, was in einem Falle beobachtet wird, auf das Allgemeine übertragen wird. Und nun muß man versuchen zu erkennen, wie gewisse Eigentümlichkeiten der Seele in der angedeuteten Art in diesen Jahren sich seelisch darleben. Und wenn man gewissermaßen — es ist ein grobes Wort, das ich dafür gebrauche — eine Art von Zusammenmischung der Eigenschaften in den ersten zwanziger Jahren und der Eigenschaften in den zweiten dreißiger Jahren bis zum zweiundvierzigsten, dreiundvierzigsten Jahre vornimmt und sich eine Vorstellung bildet, was das seelische Leben in diesen Jahren ist, dann kommt man darauf, daß sich das beim Mädchen bis zum Zahnwechsel hin in das Körperliche hineinpreßt, drängt. Wie sich das Körperliche auskonfiguriert, wie es sich plastisch bildet, darinnen wirkt und lebt dasjenige, was in späteren Jahren erst als Seelenkonfiguration in der angedeuteten Art zum Vorschein kommt.