14. Die deutsche Seele in ihrer Entwickelung

GA 65/1916-04-13/p029 ·1916-04-13 · original (original)
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Sie werden vielleicht glauben, solche Dinge, wie ich sie jetzt sage, seien irgendwie ausgedacht. Sie sind es ebensowenig, wie, sagen wir, auf einer ganz anderen Stufe die Jakob Grimmschen Lautgesetze, die Gesetze der Lautverschiebung, ausgedacht sind. Nicht wahr, das sieht auch ausgedacht aus, wenn man sagt: Worte, die verwandt sind, die in der Entwickelung sind, haben im Griechischen zum Beispiel ein «t», und dasselbe Wort, indem es sich bis zum Germanischen herauf entwickelt, an derselben Stelle ein «th» oder ein «z»; wenn es sich bis zum Neuhochdeutschen herauf entwickelt hat, ein «d». Diese Gesetze der Lautverschiebung zeigen, wie in der Aufeinanderfolge der Zeit Gesetzmäßigkeit waltet überall da, wo Seelisches mit ins Spiel kommt. Wenn man sie einfach so entwickelt, wie sie Jakob Grimm hingestellt hat, da erscheinen sie natürlich auch so in ihrer Abstraktheit; aber sie sind zu erhärten, zu erweisen in all den Fällen, auf die es ankommt, aus der ganzen Breite der Erfahrung heraus. Und so kann ich Ihnen heute auch nur diese Grundgesetze, die ich Ihnen andeutete, gewissermaßen charakterisieren. Aber derjenige, der nur eingehen will auf das, was die äußere Erfahrung eben einem Geiste bietet, wie ich ihn geschildert habe, der gerade wie Jakob Grimm das Volkswesen nach dem Verfahren der äußeren Wissenschaft erforschen kann, der wird überall die Bewahrheitung sehen. Es ist heute nur nicht Zeit, auf das, was ja sehr interessant wäre, einzugehen, zu zeigen, wie sich diese allgemeinen Gesetze bewahrheiten in allen Seelenerscheinungen, und wie diese Seelenerscheinungen des Menschen und sein Auftreten in der physischen Welt, insoferne er irgendeinem Volksseelenwesen angehört, ‚sich nur dadurch erklären lassen, daß man auf diese Weise hinter die besondere Konfiguration seines Auftretens kommt.

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