14. Die deutsche Seele in ihrer Entwickelung

GA 65/1916-04-13/p033 ·1916-04-13 · original (original)
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Ein anderes fügt sich hinzu zu dieser Tatsache. Ich kann diese Dinge ja nur andeuten. Würde man gerade im einzelnen, zum Beispiel an Hand der Schröerschen Ausführungen über Grammatik und seiner Wörterbücher der österreichisch-deutschen Mundarten, das, was ich jetzt gesagt habe, studieren, so würde man wahrhaftig den eben ausgesprochenen Satz so belegen können, wie nur irgendeinen naturwissenschaftlichen Satz. Eine andere Eigentümlichkeit, die aus dieser Tatsache des deutschen Seelenwesens folgt, ist diese, daß das deutsche Seelenwesen den gemüthaften Anschluß an Heimatliches, Gleichartiges, das Zusammenleben mit Heimatlichem, Gleichartigem, braucht, um immer wieder und wiederum die Frische dieses Heimatlichen, Gleichartigen zu fühlen. Der Deutsche ist nicht imstande, sich mit starker innerer Kraft, die ihn unverändert läßt, wie etwa der Engländer, in fremdes Volkstum hineinzuschieben. Er braucht, wenn er sein Volkstum so recht innerlich lebendig haben will, den unmittelbaren Zusammenhang mit der ganzen Aura, mit der ganzen Atmosphäre des Volkstums. Daher entwickelt sich auch innerhalb dieser Aura, dieser Atmosphäre des Volkstums etwas, was im Umkreise so schwer verstanden wird, was so schwer hineingeht in die fester konfigurierten Volksseelen, die gleich alles in ihre Kategorien hineinzwängen wollen und es dadurch verzerren; während in dem labilen, in dem leichten Gleichgewicht, in dem alles schwebt in der deutschen Volksseele, alles unmittelbar erfahren und erlebt sein will im lebendigen Zusammenhang mit dem Volksseelenelement selbst. Das zeigt sich so schön in gewissen Aussprüchen, die der hier oftmals schon erwähnte, wahrhaftig echt deutsche Geist Herman Grimm getan hat. Mehr als mancher andere ist er sich bewußt geworden - nicht in dieser ausgesprochen geisteswissenschaftlichen Form, wie ich es jetzt auseinandersetze, sondern in einem inneren Gefühl —, wie das deutsche Seelentum dieses unmittelbare, immer fortwährend gegenwärtige Befruchtetwerden der Gemüter braucht, und wie es nur da gedeihen kann. Da spricht er sehr schön aus, wie dasjenige, was der Deutsche formt, was der Deutsche bildet, eigentlich nur von dieser, in der eben angedeuteten Weise zu charakterisierenden deutschen Seele selbst wieder nur ganz voll verstanden werden kann, und wie dasjenige, was aus dieser Seele heraus erfaßt werden soll durch fremdes Volkstum, eben aus dem angedeuteten Grund verzerrt, karrikiert wird, weil auf die Feinheiten nicht eingegangen werden kann, die dadurch da sind, daß sich das deutsche Wesen ausbreitet über die Eigentümlichkeiten der Menschenseele vom zwanzigsten bis zum fünfundvierzigsten Jahre, wie ich es angedeutet habe, So sagt Herman Grimm sehr schöne, wunderschöne Worte — wenn sie auch vielleicht manchem Nicht-Deutschen nicht gefallen, aber sie sind wunderbar -, nicht nur schöne, sondern auch wunderbar richtige Worte:

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