14. Die deutsche Seele in ihrer Entwickelung
Nehmen wir eine Zeit, in welcher mehr wirksam war ein Hereinkraften einer anderen Volksseele in die deutsche Volksseele, sagen wir das dreizehnte Jahrhundert. Weil die deutsche Volksseele über die ganze Zeit der menschlichen Seelenentwickelung ausgegossen ist vom zwanzigsten bis zum fünfunddreifßigsten, sechsunddreißigsten Jahre und noch später, weil sie also verbreitet ist über das alles, kann sie eben auch durch all die Eigenschaften, die ich angeführt habe, Einflüsse von außen aufnehmen. Wir werden gleich sehen, wie besonders gestaltet diese Einflüsse sind. Wir haben hier gesehen, wie das Christentum in sie eingeströmt ist. Wir könnten an Worten, an Wortwandlungen diese eigentümlichen Worte nachweisen, die als Fremdworte einströmten in der Zeit, in der das französische Volksseelenwesen eine besondere Stärke erlangt hatte, wie im dreizehnten Jahrhundert. Da kommen ganz andere Worte herein, Worte, die das Innere der Seele ergreifen, Worte, die nur mit dem Unterbewußten erfaßt werden und ihre Entwickelung durchmachen, Fremdworte, ja, man weiß heute nicht mehr, daß es Fremdworte sind; sie werden deshalb dem Schicksale entgehen, als Fremdworte ausgemerzt zu werden. Worte, wie «Preis», «klar», kommen im dreizehnten Jahrhundert herein. Vor dem dreizehnten Jahrhundert gibt es das Wort «klar» nicht; «Preis», «etwas preisen», «einen Preis haben», kommt damals herein. Das sind Worte, die mit dem Seelenwesen zusammenhängen. Da wirkt das, was wir in dem französischen Volksseelenwesen erkannt haben, herein in das deutsche Volksseelenwesen.