{"corpus":"steiner","locus":"GA 65/1916-04-13/p046","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Dadurch ist es allein zustande gekommen, daß innerhalb dieser deutschen Volksseele wieder erneuert werden konnten und vervollkommnet werden konnten diejenigen Motive, diein dem Volksseelencharakter der Umgebung liegen. Wie sehen wir kaum angedeutet in der Umgebung dasjenige, was in dem deutschen Siegfried zutage tritt. Und wie sehen wir, wie das, was aus der Volksseelenkraft hereingekraftet ist in das Deutschtum, in einer bestimmten Zeit alles als Volksseele ergreifend, in der Siegfriedssage zum Ausdruck gekommen ist. Dann erholt sich diese Seele, macht — gegenüber der Ausatmung im Siegfried — eine Einatmung, um im zwölften, dreizehnten Jahrhundert eine neue Ausatmung zu machen, einen neuen Ansatz, und den dem Siegfried entgegengesetzten Charakter aus sich hervorzubringen, den Parzival-Charakter. Und man braucht nur gegeneinanderzustellen diese beiden Charaktere, die wirklich aus dem innersten Wesen und Weben des deutschen Volksseelenwesens heraus entstanden sind, man braucht nur diese beiden polarischen Gegensätze nebeneinanderzustellen, Siegfried und Parzival, und man wird die Weite der deutschen Volksseele und die Entwickelungsmöglichkeit erblicken, die sich ausspricht in dem Gang, den diese Entwickelung gemacht hat von dem Siegfried, dessen schon verschollenes Lied man wieder aufgefunden und niedergeschrieben hat in der Zeit, als Wolfram von Eschenbach seinen Parzival gedichtet hat. Ja, diese deutsche Volksseele durchläuft in langer Zeit dasjenige, was sie nur in langer Zeit durchlaufen kann wegen ihrer Weite. Darin ist das Bedeutsame ihrer Entwickelung ausgedrückt. Darin liegt dasjenige, was wir auch heute noch als unendlich breite Möglichkeiten in der Entwickelung der deutschen Volksseele erkennen können, wenn wir diese deutsche Volksseele in der richtigen Weise anschauen. Dasjenige aber, was sie ergreift, ergreift sie deshalb mit einer gewissen Stärke, weil sie es umfassend ergreift, weil sie es mit der Harmonie aller Seelenkräfte ergreilt.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"14. Die deutsche Seele in ihrer Entwickelung","site_heading":null,"date":"1916-04-13","location":null,"word_count":275,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/65/1916-04-13/p046","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/65/1916-04-13/p046"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/65/1916-04-13/p046","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}