14. Die deutsche Seele in ihrer Entwickelung

GA 65/1916-04-13/p049 ·1916-04-13 · original (original)
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Und wie mit dem Geistigen zusammenhängt die Weite gerade des deutschen Volks-Charakters, man kann es, wenn man ein Auge dafür hat, auch an den Außenseiten studieren, die sich im Leben darbieten. Nur noch ein Beispiel. Vor mir habe ich zwei Abhandlungen, die eine von einem Deutschen, die andere von einem anderen. Jakob Grimm, der mit so tiefer Liebe erfaßt hat, was im deutschen Volkswesen lebte, er hatte eine Ahnung von der Weite und Breite, die ich heute charakterisiert habe. Ihm, Jakob Grimm, war es gerade aus seiner Liebe zum deutschen Volke heraus klar, daß da selbstverständlich auch Schattenseiten sein müssen. Deshalb hat Jakob Grimm einen Aufsatz über die Pedanterie der Deutschen geschrieben, in dem er sich sogar bis zu dem Ausspruch versteigt: die Deutschen hätten die Pedanterie erfunden, wenn sie nicht schon in der Welt dagewesen wäre. Das ist aber auch für die Weite des deutschen Wesens bezeichnend. Der Aufsatz von Jakob Grimm über die deutsche Pedanterie, namentlich in der Sprache, ist sehr interessant. Aber der Deutsche hat dadurch schon diese Eigentümlichkeit, alles auch aus der Breite des Seelenlebens heraus zu erfassen.

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