{"corpus":"steiner","locus":"GA 65/1916-04-13/p050","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Von einem Deutschen, von Professor Troeltsch, hören wir Worte über die deutsche Freiheit. Ich will mich selbstverständlich nicht auf seinen Standpunkt stellen, aber ich charakterisiere ja Seeleneigentümlichkeiten des deutschen Volkes. Da wird nun mit wirklich deutscher Gründlichkeit, aber auch mit deutschem Scharfsinn, so zu Werke gegangen, daß gezeigt wird, wie die Freiheit sich abschattiert nach dem italienischen, nach dem englischen, nach dem französischen Volks-Charakter. Gewissenhaft gibt er sich Rechenschaft, wie die Freiheitsidee bei diesen Völkern aufgefaßt wird. Und dann versucht er, jene Freiheitsidee, die das deutsche Volk hat, zu charakterisieren, jene Freiheitsidee, von der Herman Grimm selber auch gesagt hat, schöner als Troeltsch, aber fast mit ähnlichen Worten: «Dem deutschen Volke war es vorbehalten, jene Freiheit als Charakter des Menschen in der Idee zu erkennen, die die volle Ausgestaltung der menschlichen Individualität und Persönlichkeit vereinigt mit einem harmonischen Zusammenwirken in der Gesamtheit.» Wenn solche Leute die Freiheit so charakterisieren, daß der Mensch in der Freiheit wirkt, dann ist immer gemeint, daß das, was aus seiner Seele als Freiheit fließen kann, sich eingliedert dem Geistesleben. Und insbesondere vor der Mitte des verflossenen Jahrhunderts hätte kein Deutscher von der Freiheit sprechen können, ohne diese Freiheit aus dem Tiefsten des Geisteslebens heraus zu charakterisieren. Erst nach den englischen Einflüssen in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts sind auch Deutsche mehr oder weniger davon abgekommen. Aber sie kommen nach und nach auch wieder darauf zurück. Und in dem erwähnten Aufsatz heißt es weiter: «Will man eine Formel für die deutsche Einheit prägen, so wird man sagen können: organisierte Volkseinheit auf Grund einer pflichtmäßigen und zugleich kritischen Hingabe des Einzelnen an das Ganze, ergänzt und berichtigt durch Selbständigkeit und Individualität der freien geistigen Bildung.» — Immerhin eine, wenn auch vielleicht pedantisch zu nennende, aber aus der Fülle des geistigen Erfassens heraus geprägte Idee von der Freiheit, eine Antwort aus dem Geiste heraus auf die Frage: Was ist Freiheit?","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"14. Die deutsche Seele in ihrer Entwickelung","site_heading":null,"date":"1916-04-13","location":null,"word_count":313,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/65/1916-04-13/p050","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/65/1916-04-13/p050"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/65/1916-04-13/p050","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}