{"corpus":"steiner","locus":"GA 67/1918-02-07/p004","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Heute möchte ich eine Teilfrage möglichst in einem abgeschlossenen Ganzen der Betrachtung unterziehen: die Frage nach dem Menschen als einem Seelenwesen und einem Geistwesen. Schon indem man diese Worte ausspricht, berührt man eigentlich die menschliche Seelenfrage in einer Art, welche der gegenwärtigen Weltbetrachtung ziemlich fern liegt. Die gegenwärtige Weltbetrachtung, wenn sie sich überhaupt darauf einläßt, etwas anderes als dasjenige anzuschauen, was Biologie, was Physiologie, was experimentelle Psychologie gibt, sie spricht von einer Zweiheit des Menschen nach Leib und Seele. Es soll heute gezeigt werden, daß diese Gliederung des Menschen bloß nach Leib und Seele zu den schwierigsten Mißverständnissen führen muß, welche eine wirklich wissenschaftliche Betrachtung eigentlich ablenken von den höchsten Menschenrätseln. Man glaubt heute, daß in den sogenannten Seelenrätseln das Geisträtsel schon eingeschlossen ist, und man wird, indem man sich diesem Mißverständnisse hingibt, gerade auf den Beifall mancher naturwissenschaftlicher Weltbetrachter und auch mancher Seelenbetrachter stoßen können. Es steht überhaupt, das möchte ich einleitungsweise vorausschicken, die in diesen Vorträgen gemeinte Geisteswissenschaft in einem eigentümlichen Verhältnis zur naturwissenschaftlichen und auch zur philosophischen Weltbetrachtung. Diejenigen der verehrten Zuhörer, welche nun schon seit Jahren bei diesen Vorträgen anwesend waren, wissen, wie ich immer wieder und wieder betont habe, daß die von mir vertretene Geisteswissenschaft nicht im allergeringsten in irgendeinen Zwiespalt kommt mit der modernen naturwissenschaftlichen Forschung, daß sie im Gegenteil überall voll auf dem Boden dieser Forschung steht, und gerade weil sie mehr als die naturwissenschaftliche Weltanschauung selbst auf naturwissenschaftlichem Boden steht, sieht sie sich genötigt, aufzusteigen von der bloßen Betrachtung der Natur und ihres Lebens zu der Betrachtung des wirklichen Geistlebens. Allein die naturwissenschaftliche Weltbetrachtung, die ja einem großen Teil unserer Zeitgenossen, wir dürfen es schon sagen, geradezu in Fleisch und Blut übergegangen ist, die - und zwar durchaus mit einem gewissen Recht — die Gedanken, Ideen, auch die Empfindungsgewohnheiten, die Erkenntnistriebe der Gegenwart trägt, diese Weltbetrachtung verhält sich auch in ihren auserlesensten Vertretern in einer solchen Art, daß die Geisteswissenschaft es außerordentlich schwer hat, irgendwie auf Verständnis bei den Zeitgenossen zu stoßen. Gerade darüber möchte ich hier einige einleitende Worte sagen, weil sie uns notwendig sein werden bei unserer weiteren Betrachtung.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"2. Der Mensch als Geist- und Seelenwesen","site_heading":null,"date":"1918-02-07","location":null,"word_count":349,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/67/1918-02-07/p004","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/67/1918-02-07/p004"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/67/1918-02-07/p004","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}