4. Geist, Seele und Leib des Menschen

GA 67/1918-02-28/p005 ·1918-02-28 · original (original)
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So bleiben die Untersuchungen heute häufig aus dem Grunde unfruchtbar — neben dem Umstande, daß sie es auch aus mannigfachen anderen Gründen sind —, weil man sich nicht lossagen will von dem Vorurteil, der Mensch könne betrachtet werden, ohne daß man seine Gliederung in die drei Wesenheiten, wenn ich sie so nennen darf, oder in die drei Wesensglieder Leib, Seele und Geist, ins Auge fasse. Ich habe auch schon in einem früheren Vortrage angedeutet, daß es sich für dasjenige, was hier unter Geisteswissenschaft gemeint ist, darum handelt, ebenso von dem seelischen Leben aus die Brücke zum Geist zu schlagen, wie es sich für die physische Wissenschaft und Biologie darum handelt, die Brücke zu schlagen vom seelischen Leben herüber zum leiblichen Wesen des Menschen. Noch einmal möchte ich auf das aufmerksam machen, worauf ich schon hingedeutet habe zur Erläuterung dessen, was eigentlich gemeint ist. Seelisches Erleben, allerdings im weiteren Sinne, ist es zweifellos — wenn das seelische Erleben in diesem Falle auch auf körperlichen und leiblichen Grundlagen beruht —, wenn der Mensch Hunger, Durst, Sättigung, Atmungsbedürfnis und dergleichen empfindet. Aber wenn man auch diese Empfindungen noch so sehr ausbildet, wenn man noch so sehr versucht, den Hunger größer oder kleiner zu machen, um ihn innerlich seelisch zu beobachten, oder wenn man das Hungergefühl vergleicht mit der Sättigung und dergleichen, es ist unmöglich, durch diese bloße innere Beobachtung, durch das, was man seelisch erlebt, darauf zu kommen, welche leiblichen, körperlichen Grundlagen diesem seelischen Erleben als Bedingung dienen. Da muß in der Ihnen ja allbekannten Weise die Brücke durch wissenschaftliche Methoden so geschlagen werden, daß man übergeht von dem bloßen seelischen Erleben zu demjenigen, was sich, während dieses oder jenes seelische Erleben da ist, in der leiblichen Organisation des Menschen abspielt.

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