{"corpus":"steiner","locus":"GA 67/1918-02-28/p007","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Da handelt es sich vor allen Dingen um eines — auch darauf habe ich von anderen Gesichtspunkten aus in diesen Vorträgen schon hingedeutet -, es handelt sich darum, daß gerade viele Seelenforscher der Gegenwart glauben, daß gewisse Dinge einfach unmöglich sind, die für die Geistesforschung unbedingt angestrebt werden müssen. Wie oft findet man heute von Seelenforschern erwähnt, daß das eigentliche Seelenleben nicht beobachtet werden könne. Man findet darauf hingewiesen, daß zum Beispiel zarte Gefühle nicht beobachtet werden können, weil sie einem entschlüpfen, wenn man mit der beobachtenden Seelentätigkeit an sie herantreten will. Es wird mit Recht darauf hingewiesen, wie wir uns gestört fühlen, wenn wir zum Beispiel etwas auswendig gelernt haben, es hersagen, und uns selbst beobachten wollen. Das wird so angeführt, als ob es eine durchgreifende Eigentümlichkeit des Seelenlebens wäre, Gerade das ist aber notwendig einzusehen, daß, was da wie eine Unmöglichkeit, wie eine charakteristische Unfähigkeit des Seelenlebens hingestellt wird, gerade als geisteswissenschaftliche Methode angestrebt werden muß. Was der Biologe, was der Physiologe für den Leib verrichtet, das verrichtet der Geistesforscher für den Geist, indem er von der bloßen alltäglichen und von der bloßen mystischen Selbstbeobachtung zu jener wahren Seelenbeobachtung aufzusteigen bestrebt ist, deren Unmöglichkeit mit dem erwähnten Hinweise dargetan werden soll, daß wir uns beim Hersagen eines Gedichtes nicht selber beobachten können, weil wir uns dadurch stören. Nun ist es ja nicht notwendig, daß man gerade in solch äußerlichen Dingen, wie dem Hersagen eines memorierten Stoffes, zu einer Möglichkeit der Selbstbeobachtung kommt, obwohl das für den, der Geistesforscher werden will, auch eine Notwendigkeit ist. Notwendig aber ist es, daß der Geistes- und Seelenforscher dazu vordringt, wirkliche Selbstbeobachtung dadurch zu erringen, daß er einen Vorstellungsverlauf, eine Gedankenfolge, auch den Verlauf von Willensimpulsen, von Gemütszuständen wirklich so vor sich hat, daß er gewissermaßen, während das in seiner Seele abläuft, wie sein eigener Zuschauer dabeisteht und sich wirklich innerlich selbst beobachten lernt, so selbst beobachten lernt, daß Beobachter und Beobachtetes eigentlich vollständig auseinanderfallen. Diese Möglichkeit wird oftmals als etwas sehr Leichtes hingestellt, und diejenigen, die dies als etwas sehr Leichtes hinstellen, obwohl sie natürlich sie nicht in der ganzen Schwierigkeit ihres Wesens anstreben, die sind es auch, die da glauben, während der Naturwissenschaft strenge Methoden obliegen, sei Geisteswissenschaft irgend etwas, was leichten Herzens auf leichte Weise erlangt werden könne. Zu wirklicher Geistesforschung, die zu sagen vermag, worauf es dem geistigen Leben gegenüber ankommt, ist aber ebensolches, wenn auch nur im Geistigen angewendetes, methodisch strenges, geduldiges, energisches Fortschreiten in einer bestimmten Weise notwendig, und zwar nicht nur wie das auf äußerlich naturwissenschaftlichem Gebiete geschieht, sondern so, daß der, der beides kennt, naturwissenschaftliches Forschen und geisteswissenschaftliches Forschen, sagen muß, daß gegenüber dem oftmals jahrelangen Streben, das notwendig ist, um zu ernsten geisteswissenschaftlichen Resultaten zu kommen, man sich die Methoden der Naturwissenschaft im Grunde doch noch auf eine leichtere Weise aneignen kann.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"4. Geist, Seele und Leib des Menschen","site_heading":null,"date":"1918-02-28","location":null,"word_count":468,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/67/1918-02-28/p007","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/67/1918-02-28/p007"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/67/1918-02-28/p007","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}