4. Geist, Seele und Leib des Menschen

GA 67/1918-02-28/p012 ·1918-02-28 · original (original)
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Wenn man Gedankengänge anstellt in seinem Innern, nur um diese Gedankengänge herzustellen, bloß um sein Denken in Bewegung zu bringen, in eine solche Bewegung zu bringen, daß es eine mögliche Beziehung zur Wirklichkeit hat, und wenn man darauf verzichtet, mit diesen Gedankengängen etwas anderes zu wollen als sein Denken in eine gewisse Entwickelungsströmung hineinzubringen, dann führt einen zunächst das, was man da tut, zu nichts anderem als zu einem Beweglicherwerden seines Denkens, zu einem Beweglicherwerden der seelischen Fähigkeiten überhaupt. Die Frucht davon tritt dann auf ganz anderen Gebieten der Betrachtung zutage. Man muß beides streng voneinander scheiden können. Wer das nicht kann, wer da mit solch einem In-Bewegung-Bringen des Denkens etwas Wirkliches erfassen will, wer etwas anderes will als sein Denken erst herzurichten, um dann in eine Wirklichkeit einzudringen, der kommt in Phantastereien, in Träumereien, in allerlei Hypothesenmacherei hinein. Wer aber die Selbstbeherrschung und Selbstkontrolle hat, genau zu wissen, daß ein solches In-Bewegung-Bringen des Denkens zunächst nur subjektive Bedeutung hat, wer dann die Kraft, die aus einem solchen Sichbetätigen des Denkens in der Seele wirkt, in Bewegung bringt, für den treten die Früchte davon zu einer ganz andern Zeit ein. Von da ausgehend war Herman Grimm wirklich imstande, in seinen Abhandlungen über Macaulay, Friedrich den Großen und so weiter historische Bemerkungen zu machen, welche hart an das anklingen, was Geisteswissenschaft über das Leben der menschlichen Seele und des menschlichen Geistes zu sagen hat. Ich will damit nicht sagen, daß Herman Grimm schon ein Geistesforscher war; das lehnt er ja gerade ab. Ich will damit auch nicht sagen, daß das, was ich bei ihm charakterisiert habe, mehr ist als etwas, was schon im gewöhnlichen Bewußtsein vor sich gehen kann. So etwas ausgebildet, so etwas immer weiter und weiter betrieben, das führt dazu, den Willen einzuführen in das Vorstellungsleben und die geistige Notwendigkeit im Vorstellungsleben zu ergreifen. Dazu muß allerdings etwas anderes kommen.

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