4. Geist, Seele und Leib des Menschen

GA 67/1918-02-28/p014 ·1918-02-28 · original (original)
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Wenn ein niederes Lebewesen zunächst keinen Tastsinn hat, sondern nur ein inneres wogendes Leben, und nach und nach in der Außenwelt anstößt, so bildet sich das, was vorher nur inneres wogendes Leben war, um in Tastsinn — es ist das ja eine gebräuchliche naturwissenschaftliche Vorstellung —, und der Tastsinn wiederum differenziert sich, so daß gewissermaßen nach und nach im Zusammenstoßen dieses inneren Lebens mit der Außenwelt diese selber erst inneres Erlebnis wird. Dieses Bild vom Tastsinn kann man anwenden auf jenes seelisch-geistige Erleben, das beim Geistesforscher eintreten muß. Solchen Grenzpunkten des Erkennens gegenüberstehend, läßt er sie in seiner Seele ausleben, läßt er sie in ihrer Eigengeltung. Dann ist es so, als wenn das innere Leben nicht an eine physische Außenwelt stieße, sondern an eine geistige Welt und ein geistiger Tastsinn sich wirklich entwickelt, dann sich weiter differenziert und zu dem werden will, was man in übertragener Bedeutung mit Goethe Geistesaugen, Geistesohren nennen kann. Es ist allerdings weit hin von einer Beschäftigung mit solchen Grenzfragen des Erkennens bis zu dem, was ich in meinem Buche «Vom Menschenrätsel» schauendes Bewußtsein genannt habe. Aber dieses schauende Bewußtsein kann entwickelt werden. Das ist das eine, was zu berücksichtigen ist.

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