4. Geist, Seele und Leib des Menschen

GA 67/1918-02-28/p015 ·1918-02-28 · original (original)
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Das andere ist, daß man nun gerade in einer solchen inneren geistig-seelischen Betätigung erfährt, daß man nicht mit dem, was man auf der Grundlage der Beobachtung der Sinneswelt an Urteilskraft gewonnen hat, in die geistige Welt darf eindringen wollen, nicht einmal in dem negativen Sinne, daß man sagt, es könne das menschliche Erkennen an diesem Punkt über sich selbst nicht hinaus. Man muß vielmehr darauf verzichten, in die geistige Welt einzudringen mit dem, was man vorher in der Seele hatte, bevor man sich erst durch diese und ähnliche Übungen bereit machte, in die geistige Welt wirklich einzudringen. Dazu gehört eine gewisse Resignation, dazu gehört überhaupt Verzicht. Während in der Regel der Mensch gewohnt ist, mit dem, was er an der äußeren Welt sich erobert hat, Hypothesen und allerlei logische Schlußfolgerungen aufzustellen über das, was jenseits der physischen Erfahrung sein könnte oder nicht sein könnte, muß der Geistesforscher es sich wirklich nicht nur zu einer inneren Überzeugung, sondern - ich sage ausdrücklich - zu einer inneren intellektuellen Tugend machen, das nicht zu gebrauchen für die Charakteristik der geistigen Welt, für die Anschauung der geistigen Welt, was nur aus der physisch-sinnlichen Wirklichkeit stammt. Diesen Verzicht muß man sich erst aneignen, er muß habituelle Eigenschaft der Seele werden, so daß man es sich versagt, bloße Hypothesen oder bloße philosophische Erörterungen anzustellen über das, was jenseits der physisch-sinnlichen Beobachtung liegt. Man ringt sich dann durch zu der Erkenntnis, daß, um in die geistige Welt einzudringen, die Seele sich dafür selber erst reif machen muß. Das, was sich allmählich durch das volle Festsetzen dieser intellektuellen Tugend ausbildet, unterstützt durch die Einführung des Willens in das Vorstellungsleben, wie ich es geschildert habe, das bringt einen dahin, jene Selbstbeobachtung üben zu können, von der ich vorhin gesprochen habe, die wirklich in die Lage kommt, gewissermaßen der eigene Zuschauer zu sein, während die Gedanken, Gefühle und Willensimpulse ablaufen. Nur durch solche wahre Selbstbeobachtung gelangt der Mensch dazu, eine geistige Tätigkeit zu entwickeln, von der er durch Erleben weiß, sie wird nicht mit Hilfe des Leibes vollführt, sondern sie wird vollführt, indem der Mensch mit seinem wahren Ich nunmehr außerhalb des Leibes steht.

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