{"corpus":"steiner","locus":"GA 67/1918-02-28/p018","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Man gelangt nunmehr dazu, das Seelenleben so zu beobachten, daß die Beobachtung nicht bloß im seelischen Erleben stehen bleibt, sondern auf den Geist hinweist. Zwei Punkte möchte ich zunächst erwähnen, obwohl sie verhundertfältigt werden können, die aber wichtige Kernpunkte sind. Indem der Mensch in dieser Weise zur wahren Selbstbeobachtung kommt, die außerhalb des Leibes ausgeführt wird und dadurch dem Geiste gegenübersteht, gelangt er dazu, als unmittelbares Beobachtungsresultat eine Anschauung zu bekommen nicht nur über das Verhältnis des gewöhnlichen Wachens zum gewöhnlichen Schlafen, sondern vor allen Dingen über das, was die Phänomene des Aufwachens und Einschlafens sind. Es ist einmal heute noch das Schicksal der Geisteswissenschaft, daß sie nicht nur von heute vielfach Unbekanntem spricht, sondern daß sie über das, was in das Bewußtsein eines jeden Menschen hineinspielt, was eigentlich alltäglich Bekanntes ist, in einer ganz andern Weise sprechen muß, als sonst gesprochen wird. Dazu kommt, daß die Geisteswissenschaft ja Worte verwenden muß, die geprägt sind für das äußere, gewöhnliche Leben. Das bietet viele Schwierigkeiten, da Geisteswissenschaft dieselben Worte zuweilen schon in einer andern Richtung gebrauchen muß. Sie muß anknüpfen an bekannte Erscheinungen des Lebens, um von diesen ausgehend in das geistige Gebiet hineinleuchten zu können. Den Wechselzustand von Schlafen und Wachen kennt ja der Mensch, wenn man zunächst vom Bewußtseinsstandpunkt aus spricht, nicht vom naturwissenschaftlichen Standpunkt — der soll heute nicht Gegenstand unserer Betrachtung sein -, auf der einen Seite als die Zeit, in der das Bewußtsein des Menschen vorhanden ist vom Aufwachen bis zum Einschlafen, und auf der andern Seite als die Zeit, in der das Bewußtsein in eine Finsternis hinuntergetaucht ist, in das Schlafbewußtsein. Der Geistesforscher weiß, daß es so schwach ist, daß man gewöhnlich vom Nichtvorhandensein des Bewußtseins im Schlafe spricht. Nun, diese beiden, für das Leben wahrhaftig gleich notwendigen Wechselzustände des menschlichen Wesens, sie sind geeignet, durch eine wirklichkeitsgemäße Betrachtung schon ein Stück in das Menschenrätsel hineinzuführen. Von vorneherein müßte ja jedem auffallen, daß das eigentliche menschliche Wesen unmöglich mit dem Einschlafen und Aufwachen wiederum neu beginnen kann. Das, was im Menschen seelisch-geistiges Wesen ist, das sonst im Wachzustande als Bewußtsein lebt, das muß auch im Schlafe vorhanden sein. Aber für das gewöhnliche Bewußtsein ist ja die Sache so, daß der Mensch in eigener Selbstbeobachtung sich im Schlafe nicht betrachten kann, daß er daher den Wachzustand mit dem Schlafzustand innerlich geistig nicht vergleichen kann. Außerlich naturwissenschaftlich ist das eine andere Sache. Nun handelt es sich darum, daß man diesen Dingen näher kommt, wenn man wirklich von der gewöhnlichen Sinnesbeobachtung zur geistigen Beobachtung in der geschilderten Weise so aufsteigt, daß man ins innere geistige Auge faßt das Vorstellungsleben, Gefühlsleben und Willensleben.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"4. Geist, Seele und Leib des Menschen","site_heading":null,"date":"1918-02-28","location":null,"word_count":434,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/67/1918-02-28/p018","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/67/1918-02-28/p018"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/67/1918-02-28/p018","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}