4. Geist, Seele und Leib des Menschen

GA 67/1918-02-28/p024 ·1918-02-28 · original (original)
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Damit habe ich Ihnen angedeutet, wie der wirkliche Beobachter, der zur wahren Selbstbeobachtung aufgestiegen ist, das Wirken der menschlichen Seelenkräfte und Geisteskräfte im Geistigen auffassen kann. Er kann, indem er mit seinen Methoden weiter vorrückt, gerade so, wie man das gewöhnliche, alltägliche Ich kennenlernt, dasjenige Ich kennenlernen, das er in dieser Selbstbeobachtung in sich selber erlebt, mit dem er eben die Selbstbeobachtung anstellt. Dieses Ich läßt sich nicht durch philosophische Spekulationen erkennen, es läßt sich nur erleben. Wird es erlebt, dann lernt man durch unmittelbare Anschauung das kennen, was ich jetzt skizzenhaft charakterisiert habe. Der Mensch mit dem gewöhnlichen Bewußtsein kann gar nicht anders als glauben, indem er nur die wachsenden, sprossenden, sprießenden Entwickelungskräfte ins Auge faßt, daß, indem das Kind heranwächst aus der dumpfen Bewußtseinslage und allmählich dazu übergeht, Ich zu sagen, überhaupt zum Selbstbewußtsein zu kommen, allmählich aus den Entwickelungsvorgängen des Leibes das, was im Seelischen als Ich zum Ausdruck kommt, sich heranentwickelt. Für den, der das Ich durch wahre Selbstbeobachtung kennenlernt, wird klar, daß dies irrtümlich ist — aber es ist ein notwendiger Irrtum für das gewöhnliche Bewußtsein —, so wie es irrtümlich wäre, wenn man glauben würde, weil der Mensch Luft in der Lunge hat, steige die Luft, die er ausatmet, aus der Lunge heraus. Hier kann man schon durch äußere, tatsächliche Beobachtung erfahren, daß es Unsinn wäre, die Luft, die mit der menschlichen Lunge verbunden ist, als irgend etwas anzusehen, das aus der menschlichen Lunge entspringt. Will man die Luft erkennen, so muß man aus der Lunge herausgehen; will man die Luft in ihrer eigenen Wesenheit erkennen, so muß man zum äußeren Luftraum übergehen. Dasselbe tut man, wenn man in der hier charakterisierten Weise zur Selbstbeobachtung aufgestiegen ist. Da lernt man erkennen, daß das, was sich im Leibe abspielt in den fortlaufenden sprießenden, sprossenden Entwickelungsprozessen, zu dem Ich des Menschen, zu dem wahren Selbst sich so verhält wie die Lunge zur Luft. So wenig die Lunge Luftschöpferin ist, so wenig ist dieser menschliche Leib irgendwie Ich-Schöpfer. Nur solange man das wirkliche Geistig-Seelische nicht kennt, kommt man zu dem notwendigen Irrtum, als ob dieses Ich irgend etwas mit dem Leibe zu tun habe. Der Geistesforscher geht aber durch seine Methoden bei der Erforschung des Ich hinaus aus dem Leibe, so wie der, der die Luft für sich betrachten will, aus der Lunge herausgeht. So kommt der Geistesforscher dazu, durch wirkliche Beobachtung zu erkennen, wie dieses Selbst, dieses Geistig-Seelische des Menschen — wenn ich mich eines bildhaften Ausdrucks bedienen darf -, in den physischen Leib mit der Geburt, respektive Empfängnis eingeht, den es durch die Vererbungsströmung bekommt, wie dieses Ich, das aus der geistigen Welt herabsteigt, den Leib hinzuerhält, so wie zu der Luft die Lunge hinzukommt, daß der Leib dieses Ich einatmet, und indem der Mensch durch die Pforte des Todes tritt, wieder ausatmet. Es ist das ein bildhafter Ausdruck für die Verbindung des Geistig-Seelischen, das aus der geistigen Welt heruntersteigt, mit dem Physisch-Leiblichen. Wie man, wenn man die Luft in ihrer Wesenheit kennenlernt, diese Wesenheit in dem äußeren Luftraum, nicht in der Lunge sucht, ebensowenig sucht man in der äußeren physischen Leiblichkeit die Wesenhaftigkeit des geistig-seelischen Ich, sobald man das Ich wirklich kennengelernt hat.

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