Die Offenbarungen des Unbewussten vom geisteswissenschaftlichen Gesichtspunkt
Das dritte, was ich erwähnt habe, ist, daß die eigentlichen geistigen Erlebnisse so schnell vor der Seele vorüberhuschen, daß man Geistesgegenwart braucht, um sie festzuhalten. Sonst huscht das Ereignis so schnell vorüber, daß es schon vorbei ist, wenn man nur die Aufmerksamkeit darauf lenkt. Ich sagte, man müsse sich üben, solche Lagen des Lebens zu beherrschen, wo man nicht lange herumtrödeln und überlegen kann, ob man sich zu dem oder jenem entschließt, sondern wo eine Entschließung rasch notwendig ist, wo man rasch zugreifen muß und sicher zugreifen muß. Solche Geistesgegenwart ist notwendig, um geistige Erlebnisse wirklich in den Bereich der Aufmerksamkeit hineinbringen zu können. Ich erwähne diese Eigentümlichkeiten des geistigen Erlebens aus dem Grunde, weil sie schon zeigen, wie sehr das Erleben im Geiste verschieden ist von dem Erleben in der äußeren physischen Sinnenwelt und wie wenig es daher eigentlich gerechtfertigt ist, wenn immer wiederum von Nichtkennern behauptet wird, daß es nur die aus der äußeren Sinnenwelt gewonnenen Ideen und Begriffe sind, die der Geistesforscher als Reminiszenz hineinträgt in irgendeine von ihm geträumte geistige Welt. Wer von der Eigentümlichkeit dieser geistigen Welt wirklich etwas weiß, der weiß auch, daß sie sich so unterscheidet von der gewöhnlichen Sinnenwelt, daß aus ihr nichts hineingetragen werden kann, sondern daß die Seele eben die Entwickelung besonderer Fähigkeiten braucht, um als Geist einem Geistigen gegenübertreten zu können.