Die Offenbarungen des Unbewussten vom geisteswissenschaftlichen Gesichtspunkt

GA 67/1918-03-21/p022 ·1918-03-21 · original (original)
Record: unknown. How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.

Nun möchte ich noch eine Eigentümlichkeit des 'Traumes hervorheben, welche schon, wenn der Traum nur äußerlich betrachtet wird, darauf hinweisen kann, welche Stellung die Seele zur Welt hat, indem sie träumt. Allerdings kann diese Stellung sich vollständig nur aufklären, wenn sie geisteswissenschaftlich betrachtet wird. Derjenige, welcher den schlafenden Menschen betrachtet, wird sich schon äußerlich sagen können: Der Mensch ist im Schlafe abgeschlossen sowohl von dem, was aus seinem eigenen Leben her erlebt werden kann, wie von demjenigen, was aus der Umgebung erlebt werden kann. Nun, Geisteswissenschaft zeigt zwar, daß der Mensch, indem er einschläft, als geistig-seelisches Wesen wirklich in die geistige Welt hineingeht, und im Aufwachen sich wiederum mit seinem Leibe verbindet. Allein, man braucht darauf nicht einmal Rücksicht zu nehmen, sondern man braucht sich nur dasjenige, was auch dem gewöhnlichen Bewußtsein vorliegen kann, klar vor die Seele zu führen. Der Mensch ist abgeschlossen von seiner Umgebung, und auch dasjenige, was aus seinem Leibe dem gewöhnlichen Bewußtsein bewußt wird, schweigt während des Schlafes. Im Traum wogen zwar Bilder auf und ab, aber ihr Verhältnis zur Außenwelt ändert sich nicht; die Bilder werden gerade so geformt, daß dieses Verhältnis so bleibt. Das Verhältnis zur Außenwelt, dasjenige, was als nüchterne Umgebung, als nüchterne Konturierung der äußeren Eindrücke an den Menschen herantritt, indem er seine Sinne wachend der Außenwelt öffnet, das tritt in den Traum nicht hinein. Eindrücke können zwar, wie wir gesehen haben, auf den Menschen gemacht werden. Allein, gerade das, was charakteristisch ist für das, was die Sinne aus diesen Eindrücken machen, das bleibt weg. Das Seelische setzt ein Sinnbild, ein Symbol an die Stelle des gewöhnlichen nüchternen Eindrucks. So ändert sich nicht das Verhältnis zur Außenwelt. Das könnte an unzähligen Fällen erhärtet werden. Der Mensch bleibt im normalen "Traum von der Außenwelt so abgeschlossen, wie er es auch im normalen Schlafe ist, und ebenso von seiner eigenen Leiblichkeit. Auch dasjenige, was von der eigenen Leiblichkeit aufsteigt, kommt nicht in unmittelbarer Weise zum Ausdruck, wie wenn man in normaler Art mit seinem Leibe verbunden ist. Wenn man zum Beispiel durch eine zu warme Decke zu warme Füße bekommt, so würde man im gewöhnlichen wachen Zustande spüren, daß man die Füße zu warm bekommt. Das spürt man im Traume nicht so, sondern man glaubt, daß man zum Beispiel über glühende Kohlen oder dergleichen geht. Wiederum ist es die Umwandlung, die die Seele leistet, worauf es ankommt.

Read this passage in another edition
DEoriginalENEnglish
Raw JSON: /v1/steiner/de/ga/67/1918-03-21/p022.json
Cite: GA 67/1918-03-21/p022 · edition original