Die Offenbarungen des Unbewussten vom geisteswissenschaftlichen Gesichtspunkt

GA 67/1918-03-21/p034 ·1918-03-21 · original (original)
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Ich will einen solchen Irrtum aus den letzten Jahren anführen, der recht interessant ist, weil er, ich möchte sagen, das ganze Feld charakterisiert. Wir haben es da mit einem in seinem Lande außerordentlich angesehenen Naturforscher zu tun, mit einem Naturforscher, der bekannt ist mit allen Schikanen der naturwissenschaftlichen Methoden, der daher auch, wenn er diesem Gebiet nahetritt, durchaus nicht irgendwie leichtfertig zu Werke geht. Ich meine den berühmten englischen Naturforscher Sir Oliver Lodge. Es ist ein sehr merkwürdiger Fall, der auch mit den gegenwärtigen katastrophalen Ereignissen zusammenhängt. Lodge war schon immer geneigt, irgendwie eine Verbindungsbrücke zu schlagen zwischen der äußerlichen, natürlichen Welt und der Welt, der der Mensch angehört, wenn er durch die Pforte des Todes gegangen ist. Aber er wollte auf naturwissenschaftlichem Boden bleiben, was ja für diejenigen Persönlichkeiten charakteristisch ist, die durchaus nicht in die geisteswissenschaftlichen Methoden eindringen wollen. Lodge hatte einen Sohn in den Krieg schicken müssen, der an der französischen Front diente. Siehe da, eines Tages bekam er aus Amerika einen merkwürdigen Brief. Es wurde Lodge darin mitgeteilt, seinem Sohn stehe eine große Gefahr bevor, aber der Geist des verstorbenen Myers, der zehn Jahre vorher gestorben war, werde seine schützende Hand über den Sohn halten, während er durch diese Gefahr gehe. F. Myers war ja Präsident der «Society for Psychological Research» gewesen, ein Mann, der sich mit übersinnlichen Angelegenheiten beschäftigt hatte, und der Lodge und seine Familie gut gekannt hatte, von dem man also annehmen konnte — wenn man überhaupt annimmt, daß sich irgend etwas in der übersinnlichen Welt im Zusammenhang mit dem menschlichen Leben ereignet —, daß er seine schützende Hand über den in Gefahr schwebenden jungen Lodge halten würde. Aber der Brief war recht vieldeutig abgefaßt, so pflegen nämlich solche Briefe zu sein. Nicht wahr, der Sohn konnte in Gefahr kommen, erschossen zu werden, aber gerettet werden, da konnte dann der Briefschreiber sagen: «Ja, habe ich nicht durch ein Medium die Mitteilung bekommen, daß Myers seine Hand über den Sohn des Lodge hält? Durch die Hilfe von Myers ist er aus der Todesgefahr gerettet worden.» Wird er aber erschossen, so kann der Briefschreiber ebensogut sagen: «Nun ja, Myers hält im Jenseits seine Hand über ihn.» Wäre ein dritter Fall möglich, so würde auch der dritte Fall mit diesem Briefe getroffen. Man darf eben durchaus nicht unskeptisch sein, wenn man auf diesem Boden wirklich die Wahrheit erforschen will. Man muß alles vollständig mit kritischem Urteil anschauen. Natürlich, Lodge hat darauf keinen besonderen Wert gelegt, denn das wußte er schon, daß solche Dinge vieldeutig sind. Siehe da, der Sohn fiel. Da bekam er eine zweite Nachricht, daß nun tatsächlich Myers seine Hand im Jenseits über seinen Sohn hält, und daß sich in England Persönlichkeiten finden würden, die den Beweis dafür liefern sollten. Nun, es werden ja auch solche Dinge schon organisiert. Es fanden sich sogar mehrere Medien, welche in die Familie des Oliver Lodge, die größtenteils aus Skeptikern bestand, Zutritt fanden. Da ereigneten sich nun die verschiedensten Manifestationen. Lodge hat das alles in einem dicken Buche, das aus mehrfachen Gründen sehr interessant ist, ausführlich beschrieben. Die Dinge, die da beschrieben werden, unterscheiden sich größtenteils nicht viel von anderen spiritistischen Protokollen, und man brauchte sich nicht sonderlich darüber aufzuregen. Das haben auch die Leute nicht getan. Auch Lodge hätte schließlich die Manifestationen nicht beschrieben, wenn nicht etwas anderes dazu gekommen wäre. Weil Lodge bekannt ist mit allen Schikanen der naturwissenschaftlichen Forschungsweise, so ging er auch in diesem Falle vor wie ein Chemiker, der Untersuchungen im Laboratorium anstellt, und wandte alle nur denkbaren Kautelen an, um den Fall einwandfrei festzustellen. Man hat daher überall das Gefühl, daß man nach diesem Buche den Fall wirklich beurteilen kann, denn Lodge schildert so, wie ein Naturforscher schildert.

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