10. Der Übersinnliche Mensch III

GA 67/1918-04-20/p035 ·1918-04-20 · original (original)
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Das ist der Weg, wie alles das gefunden werden kann, was mit Bezug auf diese beiden Fragen — Willensfreiheit und Seelenunsterblichkeit — die Naturwissenschaft niemals finden kann; und sie wird um so mehr gute Naturwissenschaft bleiben, je weniger sie Anspruch machen wird, in diese Gebiete einzugreifen. Aber Wissenschaft bleibt es doch, was so in den Geist und in das Geistesleben eingreift. Die Menschheit früherer Jahrhunderte und Jahrtausende, die noch ein anderes Seelenleben hatte, brauchte noch nicht diese Wissenschaft. Aber heute nähern wir uns immer mehr der Zeit, wo volle Bewußtheit über das eintreten muß, was dem Menschenleben zugrunde liegt. Der Mensch wird immer mehr das brauchen, was ihm die Wissenschaft vom übersinnlichen Leben geben kann. Ich habe oft ausgeführt: Eindringen in das übersinnliche Leben kann zwar nur der Geistesforscher; aber was er sagt, prüfe man mit dem gewöhnlichen Bewußtsein, und man wird es ebenso annehmen können, wenn man selbst auch nicht Geistesforscher ist, obwohl es jeder heute werden kann. Wenn der Geistesforscher seine Ergebnisse vor das gewöhnliche Bewußtsein hinstellt, so kann man sie mit dem gewöhnlichen Bewußtsein verstehen, wenn man sich nur nicht beirren läßt von dem, was zwar auf seinem Boden seine volle Berechtigung hat, was aber immerzu seinen Boden übertritt, wenn es verbieten will, auf andern Territorien zu forschen als auf denen des bloßen Naturgeschehens. Allerdings führt so manches ab von der Geistesforschung, und wer etwa glaubt, daß der Geistesforscher die geringste Anlage zur Phantastik haben darf, der irrt sehr. Wer da meint, daß es leicht sei, in die geistige Welt einzudringen, und daß dagegen die gewöhnliche Forschung in Kliniken und Laboratorien schwer ist, der hat keine Ahnung von den wirklichen Verhältnissen. Im Grunde genommen ist alles, was auf dem Gebiete der äußeren Wissenschaft an Anstrengungen gemacht wird, ein Kleines gegenüber dem, was dem wirklichen Forschen zugrunde liegt, wenn man in die heute geschilderten Gebiete eindringen will.

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