Germanische und indische Geheimlehre

GA 68a/1906-04-22/p003 ·1906-04-22 · original (original)
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Es sind jetzt einige Jahrzehnte, seit man begonnen hat, in einer gewissen Art wissenschaftlicher Methode die verschiedenen Religionen zu vergleichen. Denen, die sich dieser Vergleichung hingeben, fällt es auf, wie viel Übereinstimmung, ja gewissermaßen Gleiches in den verschiedenen Religionen liegt. Die verschiedensten Beweise werden angeführt dafür, dass ein gewisser Kern der Anschauung ihnen allen zugrunde liegt, den indischen wie den germanischen, den vorderasiatischen wie den griechischen, ja schon bei den unzivilisierten Völkerschaften Afrikas wie Nordamerikas ist er zu finden. Die kindlichen Anlagen der verschiedenen Völkerschaften haben in gleicher Weise gewirkt und in gleicher Weise sich Aufklärung geben wollen über die Seele, Welt und Gott; denn überall unterliegt der Mensch der gleichen Ohnmacht gegenüber dem drohenden Schicksal. Die sogenannte Aufklärung nimmt an, das Volk habe in die Naturerscheinungen göttliche Wesen und Kräfte hineingedichtet; sie geht von dem Standpunkt aus, dass alle Religionsbekenntnisse kindliche Phantasien seien und dass endlich jetzt die Völker in das denkende Zeitalter eingedrungen, wo man endlich wisse, wie diese Dinge aufzufassen seien.

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