{"corpus":"steiner","locus":"GA 68a/1906-04-22/p048","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Theosophische Vorträge. Der theosophische Redner Dr. Rudolf Steiner hielt im Prinzensaale des Café Luitpold wieder zwei beifällig aufgenommene Vorträge über «Germanische und indische Geheimlehre» und über «Innere Entwicklung». Im ersten Vortrage suchte Redner die Ansicht zu vertreten, dass die Entstehung von Sagen und Mythen nicht auf die Personifizierung von Naturerscheinungen durch die dichtende Volksphantasie zurückzuführen sei, wie ja auch bereits Ludwig Laistner im «Rätsel der Sphinx» eine andere Erklärung der Entstehung gewisser Mythen nahegelegt habe, sondern dass der merkwürdig tiefe Sinn von Mythen und Sagen darauf hindeute, sie als den symbolischen Ausdruck von Urwahrheiten zu betrachten, die von den Naturvölkern selbst mehr intuitiv in Bildern, Symbolen erkannt, wie auch von den großen, in die « Urgeheimlehre» eingeweihten Lehrern der Menschheit in dem Verständnisse und der Eigenart der Völker Asiens, Amerikas, Afrikas und Europas angepassten Bildern dargestellt wurden. So finden wir zum Beispiel den sich im Makrokosmos wie im Mikrokosmos vollziehenden Kampf der höheren mit der niederen Natur, den geistigen Entwicklungskampf, den Urkampf, den in Urzeiten die Götter, das heißt die am frühesten um die geistige Entwicklung streitenden Wesen, gekämpft, in den Mythen vom Kampfe der Götter und Helden mit dem Drachen verbildlicht. Auch im germanischen Mythenzyklus finden wir den Drachenkampf und den Kampf mit den Riesen, den Mächten der niederen Natur. Für die kriegerischen germanischen Völker, die als höchste Tugend die Tapferkeit betrachteten, fand die Lehre vom höheren und niederen Selbst auch darin Ausdruck, dass der auf dem Schlachtfeld gefallene, durch den Heldentod erhobene Krieger nach Walhall hinaufzieht zur Walküre — seiner eigenen höheren Seele, die ihm entgegenkommt. Redner sprach sodann die Ansicht aus, dass die Theosophische Gesellschaft in Europa vor allem die Aufgabe habe, für das Verständnis der großen Wahrheiten und Schönheiten, die der germanischen Sagenwelt, wie auch anderseits für das tiefere Verständnis der Symbole des Christentums zu wirken, da die Formen des Orients nicht ohne Weiteres auf Europa übertragen werden können., Sie müsse hineinleuchten in die Urgründe des Schönen und Wahren der germanischen Sagenwelt, die der große Meister Wagner künstlerisch wieder erstehen ließ, und sie für ihre vergeistigte Welt- und Lebensauffassung verwerten, wie anderseits die Urwahrheit des der germanischen Welt gebrachten Christentums, das die alte Mythe abzulösen bestimmt war.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Germanische und indische Geheimlehre","site_heading":null,"date":"1906-04-22","location":null,"word_count":361,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/68a/1906-04-22/p048","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/68a/1906-04-22/p048"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/68a/1906-04-22/p048","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}