22. Esoterisches Christentum

GA 68a/1906-11-27/p010 ·1906-11-27 · original (original)
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Alle Religionen kleiden zuletzt ihre Wahrheiten in so impulsive Sätze, dass keine Seele so schlicht sein kann, dass sie nicht zu ihr sprechen. Was aber da in dieser Einfachheit herauskommt, ist aus den Höhen entstanden, bei den sogenannten Eingeweihten. Eingeweihte hat es immer gegeben. Im alten Indien waren es die Rishis, welche eine uralte Weisheit gelehrt haben. In Persien war es Zarathustra, der die Weisheit gelehrt hat. Wir können nach Griechenland, nach Ägypten, nach Rom gehen; überall finden wir eine Volksreligion, aber inmitten all dieser Völker sogenannte Geistesriesen, überall der Menschheit unbekannt dem Namen nach. Sie sind es, die sich zu okkulten Bruderschaften vereinigen. Wer da aufgenommen werden will, der muss strenge Proben ablegen. Die Prüfungen beziehen sich zunächst nicht auf das intellektuelle Leben; es handelte sich vielmehr darum, dass sich der Mensch durchgerungen hatte zu einem freien Charakter, wo nichts, was Gefühl und Leidenschaft ist, durchgeht mit dem Menschen. Dann musste der Mensch sich die Möglichkeit erwerben, sein Wissen niemals zu missbrauchen. Solche durch schwere Proben hindurchgegangene Menschen wurden dann zu Sendboten für die übrige Menschheit. Sie durften keine andere Gesinnung im Herzen tragen, als den Menschen zu dienen, den Menschen zu helfen. Sie mussten solche sein, die das Wort verwirklichen: «Wer der Erste sein will unter euch, der muss aller Diener sein.» (Mk 9,35) Auch im intellektuellen Streben durften sie nie, niemals nachlassen, sich durchzuringen zu den höheren Wahrheiten.

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