Bibel und Weisheit
Als der Menschenleib noch nicht der Träger einer Seele war, solange er noch unbeseelt war, war er, ebenso wie die Erde, die er bewohnte, noch ganz anders gestaltet, er hatte in sich ein Organ, das jetzt noch vorhanden ist als Schwimmblase der Fische. Der Mensch ging damals nicht aufrecht, er bewegte sich schwebend, schwimmend vorwärts, er trug in sich dies Organ, das bei den Fischen, die sich nicht weiterentwickelt haben, geblieben ist; beim Menschen wandelte es sich um zur Lunge. Dadurch erhielt er die Fähigkeit, Luft einzuatmen, zu verarbeiten. Wir finden die Kiemenatmung noch in der Embryonalentwicklung des Menschen. Dieser Zeitpunkt des Einfangens des Sauerstoffs der Luft durch die Lunge ist auch der Moment der Beseelung. Dies, gefühlsmäßig, empfindungsmäßig ausgedrückt, ist dargestellt in den monumentalen Worten: «Und Gott hauchte dem Menschen den Odem ein, und er ward eine lebendige Seele.» (1 Mos 2,7) Das heißt, der Mensch atmete ein die göttliche Seele.
Cite:
GA 68a/1907-04-25/p010 · edition original