Bibel und Weisheit II
Geisteswissenschaft sagt: In Entwicklung begriffen ist alles. Alles entwickelt sich von einfacher, ganz einfacher Gestalt in ferner Vergangenheit zu denjenigen Gestaltungen, die so kompliziert verwickelt sind, dass sie der Mensch heute noch lange nicht begreifen kann. So spricht die Geisteswissenschaft vor allem von einer Entwicklung des menschlichen Bewusstseins selbst, und das ist wichtig, dass wir die Entwicklung dieses menschlichen Bewusstseins einmal verfolgen durch ihre verschiedenen Stufen hindurch. Denn ein Streiflicht wird uns dadurch geworfen werden auf gewisse Kapitel der biblischen Urkunden. Das, was die Menschheit in ihrer weitaus größten Mehrzahl von Individuen heute Bewusstsein nennt, das ist für die Geisteswissenschaft ein Bewusstseinszustand, der sich aus andern Bewusstseinsformen entwickelt hat. Wir bezeichnen diesen heutigen menschlichen Bewusstseinszustand als das sogenannte wache Tagesbewusstsein, oder auch das Gegenstandsbewusstsein. Warum? Wenn wir charakterisieren wollen dieses Bewusstsein, das der Mensch heute hat von morgens, wenn er aufwacht, bis abends, wenn er einschläft, so müssen wir sagen: Dieses Bewusstsein erlangt seine Erkenntnis folgendermaßen: Es erlangt zunächst seine Wahrnehmungen von den Gegenständen durch die äußeren Sinne, von den Gegenständen im Raume und in der Zeit um uns herum, und unser auf die Sinneswelt beschränkter Verstand, der verarbeitet die Wahrnehmungen, die der Mensch erhält durch die äußeren Sinne; und durch solche Wahrnehmungen und solches Verarbeiten der Wahrnehmungen in unserem Verstandesbewusstsein bilden wir uns die Schätze unseres Wissens, die im Gedächtnis aufbewahrt werden, die uns durch das Leben führen und begleiten.
Cite:
GA 68a/1907-05-24/p006 · edition original