Bibel und Weisheit II

GA 68a/1907-05-24/p011 ·1907-05-24 · original (original)
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Es gibt Zeiten urferner Vergangenheit, in denen dieses Hellsehen bis zu einer gewissen Höhe entwickelt war. Heute aber blicken wir in der Geschichte, wir blicken heute nur auf eine Zeit zurück, in der die letzten Reste dieses sozusagen somnambulen Hellsehens noch bei den Menschen vorhanden waren. Diese Reste waren vorhanden in Zeiten, die gar nicht viel mehr als Tausende von Jahren zurückliegen. Wir finden bei jedem Volke in seinem Ausgangspunkt ein solches dämmerhaftes Hellsehen, und dieses dämmerhafte Hellsehen ist es, aus dem herausgeboren sind die Mythen und die Sagen und die Märchen, die bei den Völkern früher entstanden sind. Nicht durch jenes abstrakte Ding das man kindlich schaffende Volksphantasie nennt, sind diese Mythen und Sagen entstanden, sondern aus den Resten dieses ehemaligen Hellsehens heraus, als ein Wiedergeben dessen, was ein ursprüngliches, dämmerhaftes Hellsehen bei allen, allen Völkern, von denen die heutigen Menschen abstammen, ursprünglich gesehen hat. Dieses dämmerhafte Hellsehen, das ist verknüpft aber mit anderen Verhältnissen in der Menschheitsentwicklung, und wollen wir charakterisieren diese Entwicklung, die stattgefunden hat bei dem Übergang zu unserem gegenwärtigen Gegenstandsbewusstsein, dann müssen wir hindeuten auf ein äußeres Ereignis, das sich vollzogen hat auf unserer physischen Welt, und das ein Ausdruck ist für diese Verwandlung jenes Bewusstseins in unser gegenwärtiges. Dies fand einen Ausdruck in dem, was wir nennen können den Übergang von der Nah-Ehe zur Fern-Ehe. In allen alten Zeiten war bei den verschiedensten Völkern ein Zeitalter vorhanden, in dem dasjenige gang und gäbe war, eine selbstverständliche Tatsache war, was wir heute nennen die Blutsverwandtenehe. Die Menschen lebten in kleinen Stänmen und man heiratete innerhalb dieser kleinen Stämme, und es galt als etwas Unsittliches und Unrichtiges, über seinen Stamm hinaus zu heiraten; so mischte sich in jenen Zeiten verwandtes Blut zu verwandtem Blute, und diejenigen Zeiten, in denen diese Nah-Ehe herrschte, diese waren zugleich diejenigen, in denen die letzten Reste eines dämmerhaften Hellsehens vorhanden waren.

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Cite: GA 68a/1907-05-24/p011 · edition original