Bibel und Weisheit II

GA 68a/1907-05-24/p013 ·1907-05-24 · original (original)
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So können wir in allen alten Zeiten verfolgen, wie an eine andere Form des Zusammenlebens ein anderer Bewusstseinszustand gebunden ist und umgekehrt. Auch darauf wurde schon hingewiesen, dass auch heute noch unter gewissen Verhältnissen letzte Rudimente dieses Hellsehens übrig geblieben sind; auf jenes Gespräch zwischen Rosegger und Anzengruber habe ich auch hier schon hingewiesen. Ich will daran noch einmal anknüpfen: Rosegger, der liebenswürdige, bedeutende Schilderer dessen, was er um sich herum im Bauernleben und sonst sieht, ist ein Schilderer aufgrund der äußeren Sinnesbeobachtung. Vergleichen Sie diesen mit Anzengruber, dann sehen Sie, dass Anzengruber imstande ist, Gestalten aus dem Volksleben mit wunderbarer Plastik vor Sie hinzustellen, sodass sie mit wunderbarer Wahrheit und Natürlichkeit auf ihren Beinen stehen. Nun hat Anzengruber das niemals sinnlich gesehen, was er so schildert, er hat nie unter den Bauern gelebt. Nun meinte Rosegger Anzengruber gegenüber: Du, es scheint mir doch, dass dann, wenn du hinausgingest in die Bauernwelt und beobachtetest, was sich da ereignet, dann würdet du dieselben noch besser schildern können. Anzengruber dagegen antwortete ihm: Nein, dann würde ich sie wahrscheinlich gar nicht mehr schildern können. Ich habe nämlich niemals Bauern gesehen, aber meine Vorfahren waren Bauern, alle meine Vorfahren waren Bauern, und so lebt halt noch und rumort in meinem Blute das Bauerntum, und da schildere ich dasjenige, was meine Väter gesehen haben, meine Vorfahren, das rinnt bis zu mir herunter im Blute, und das sind meine Schilderungen dieses Bauernlebens.

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