Bibel und Weisheit II
So wird es klar, dass wir nur die Namengebung alter Zeiten zu verstehen brauchen, dann wird es hell in uns in dem, was aus diesem Kapitel der Schöpfungsgeschichte die Urkunden der Bibel erzählen. Der Mensch legte in jenen alten Zeiten dämmerhaften Hellsehens nicht viel Wert auf die eigenen persönlichen Erlebnisse, sie waren ihm nur ein kleines Stück jenes großen Erlebniskreises, dem er sich angehörend empfand. Er sprach von dem, was sein Bewusstsein überschaute, als von einer einheitlichen Wesenheit. Und so, wie, wenn Sie heute, wenn Sie mit einem andern Menschen reden, dieser Mensch Ihnen als etwas Reales erscheint, und als mehr oder weniger abstrakt die Generationenfolge als Ganzes, so war jenen Menschen die einzelne Person unbedeutend, und das, was ihm wichtig war, das war das, was sein über die Generationen hinausgehendes Bewusstsein zusammenhielt. So haben wir in den Patriarchennamen nicht Namen für einzelne Persönlichkeiten, sondern eine Bezeichnung von einer Summe von Wesenheiten. So leuchtet uns auf aus der Bibel etwas, was wir wiedererkennen in seinem wahren Sinne, wenn wir ausgerüstet mit höheren geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen ihr gegenübertreten. Das ist die Art, in der der also Erkennende die Bibel betrachten kann. Er sieht zuerst ein, wie es in den alten Zeiten war, und dann findet er, wenn er nun richtig verstehen kann, dass die Schilderung der Bibel nur eben dasselbe ist, dasselbe sagen will. Damals haben diejenigen, die diese Urkunden niedergeschrieben haben, einfach dasjenige, was ihnen Bewusstseinstatsache war, geschildert.
Cite:
GA 68a/1907-05-24/p016 · edition original