Bibel und Weisheit I

GA 68a/1907-06-09/p005 ·1907-06-09 · original (original)
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Die unmittelbare Vererbung wirkt viel lebhafter, als wenn das Blut vermischt ist. So ist es auch heute noch, wenn ein Sohn aus unvermischtem Blute stammt. Früher war das in hohen Grade der Fall; es spielte nicht nur in der Phantasie. Zu alter Zeit heiratete man gar nicht aus dem Stamm heraus. Es galt als große Sünde, aus dem Blut herauszutreten. Bei allen alten Völkern finden Sie Sagen und Gebilde, wo das Durchbrechen dieses Gebotes gesühnt werden musste. Keine Blutsbrüderschaft galt bei alten Völkern, und da war das, was im Blute wallte, eine ganz andere Macht. Damals brachte Blutsverwandtschaft eine Art Hellsehen mit sich. Heute ist das vorüber, heute würde sogar Schaden daraus erwachsen. Dieses Hellsehen drückte sich damals so aus, dass man nicht nur in der Phantasie lebte, sondern man hatte wirkliche Erinnerungen, die weit zurückreichten. So wie Sie sich heute an Ihre Jugend erinnern, so erinnerte man sich an Ereignisse aus dem Leben des Vaters, Groß- und Urgroßvaters. Der heutige Mensch glaubt das nicht. Damals empfand man das, was der Vater getan, als: Ich habe es getan. Für heute ist das eine höchst wunderbare Lage. So ging in das Erinnerungsvermögen das über, was Erlebnisse der Väter waren, wie bei Anzengruber. Sie hätten damals Ihren Vater als Ihr Ich empfinden können, sodass man damals nicht zu sich «ich» sagte, sondern man fasste Vater, Mutter, Großvater und Urgroßvater alles als Ich zusammen, man empfand die ganze Generation als Ich. So hieß Adam alles, was Menschen Jahrhunderte hindurch als gemeinsames Bewusstsein empfanden, Patriarchen sind eine ganze Generation umschließendes Ich-Bewusstsein. Das muss man wissen, dass das Bewusstsein durch blutsbrüderschaftliche Erinnerung entstand. So versteht man jene Angaben in der Bibel, und uns enthüllt sich damit eine große Weisheit. So könnte ich von Kapitel zu Kapitel erklären, wie Theosophie unserem religiösen Gefühl zugrunde gelegt ist.

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