{"corpus":"steiner","locus":"GA 68a/1907-12-14/p013","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Ein jegliches Zeitalter versteht ein jegliches Ding so, wie das Zeitalter selbst geartet ist. In anderen Zeitaltern gab es nicht diese ausschließlich materialistische Denkungsweise, die selbst in die Kritik der religiösen Schriften eingezogen ist. Ein anderes Zeitalter hat nicht gehabt jene Vorliebe für den «schlichten Mann aus Nazareth». Immer mehr ist der Drang entstanden, den Christus Jesus herunterzudrücken auf die Stufe der Menschlichkeit, immer mehr zu sagen: «In Ihm lebt zwar eine Idealgestalt, die aber doch Mensch ist.» Ihn zu messen an den anderen Menschen, das ist immer mehr die Denkgewohnheit unserer Zeit geworden. Andere Zeitalter haben diesen Drang nicht gehabt, Jahrhunderte der christlichen Entwicklung hindurch gab es ein anderes Ideal, ein anderes Streben. In einer unnahbaren Ferne stand da das Christuswesen. Alle menschliche Gelehrsamkeit, alle Tiefe der Weisheit, alle Tiefe des Fühlens und Empfindens suchte sich hinaufzuheben zu jenen Höhen, wo man etwas ahnen konnte von jenem Wesen. Man glaubte, dass nur das reinste, geläutertste Erkennen sich nähern könne diesem Wesen. Der Drang der älteren Zeiten war, sich emporzuheben im Erkennen und Fühlen, um zu ahnen die Höhe jenes Wesens. So spiegelt sich in der Auffassung der Evangelien nichts anderes als der Geist des Zeitalters, in dem gedacht, empfunden und geforscht wird.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Das Johannesevangelium und die Zukunft des Christentums","site_heading":null,"date":"1907-12-14","location":null,"word_count":203,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/68a/1907-12-14/p013","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/68a/1907-12-14/p013"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/68a/1907-12-14/p013","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}