Die Gefahren der Einweihung
Dasjenige, was man als Geisteswissenschaft bezeichnet, dessen Quellen wir gesternaufgesucht haben, erfährt von unseren Zeitgenossen auf der einen Seite den Vorwurf des Phantastischen, Träumerischen, wenn nicht noch schwerere Vorwürfe, und auf der andern Seite einen Vorwurf, der nach einer ganz bestimmten Richtung geht und der uns heute beschäftigen soll. Er besteht darin, dass, wenn gesprochen wird von der Einweihung, man auch von gewissen Gefahren spricht, die verbunden sein sollen mit dem, was man Geisteswissenschaft nennt. Allerdings haben diejenigen, die von diesen Gefahren sprechen, gewöhnlich sehr dunkle, verschwommene Vorstellungen von dem, was sie sich denken sollen bei diesen Gefahren. Das kann nicht anders sein, denn die meisten haben nicht viel Begriff vom Inhalt, von der Aufgabe und Mission der Geisteswissenschaft in unserer Zeit. Wir müssen unterscheiden, wenn wir jene Gefahren beleuchten wollen, zunächst jene Angst, welche unsere Zeitgenossen haben vor der allgemeinen Verkündigung der Geisteswissenschaft; das muss man unterscheiden von den zum Teil wirklich vorhandenen Gefahren der Geisteswissenschaft, die sich ergeben für den, der selbst hingehen will zu den höheren Welten, der den Zugang sucht zu den Erkenntnissen im Unsichtbaren, Übersinnlichen.
Cite:
GA 68a/1907-12-19/p003 · edition original