{"corpus":"steiner","locus":"GA 68a/1907-12-19/p004","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Dann wird gesprochen davon, dass es überhaupt gefährlich sei, von solchen Dingen zu reden, solche Lehren zu verbreiten und den Leuten die Köpfe zu verdrehen. Ein Vorwurf sei gleich vorweg genannt, der immer und immer wieder durch eine völlig missverständliche Auffassung, die ganz an der Oberfläche bleibt, der Theosophie gemacht wird; er besteht darin, dass durch die Beschäftigung mit der Theosophie der Mensch entfremdet werde dem Leben. Man sagt, er werde in ein weltfremdes, weltfernes Leben geführt, es werde ihm das Interesse, die Sympathie für das wahre Leben genommen. Manche Familie, die eines ihrer Mitglieder hingehen sieht zur Theosophie, weil es glaubt, dort die Befriedigung zu finden, die das frühere Leben seinem Herzen und seiner Seele nicht geben konnte, sagt: Die Theosophie hat uns diesen Menschen genommen. — Es ist gefährlich, wenn solche Menschen hineingetrieben werden in eine asketische weltfremde Lebensführung, denn dann sagen die Angehörigen, es sei die Theosophie, die sie da hineingetrieben habe. Aber es liegt ein gut Teil Unduldsamkeit hinter einer solchen Behauptung. Solche Leute glauben, dass nur berechtigt sei eine solche Gestaltung des Lebens, wie sie es selber führen wollen, und dass es Askese sei, nicht genau dasselbe Leben zu führen, wie sie es tun; wer nicht genau ihre Idee und Lebensanschauung teilt, der treibt Askese. Wenn man aber ansieht das Leben mancher Menschen, mit dem, was Mann und Frau von Morgen bis Abend beginnen — es ist hier nicht die Rede von solchen, die wirklich im praktischen Leben stehen -, wenn man sieht, wie das Leben mancher sich erschöpft in Soupers und Diners und anderen trivialen Vergnügungen, dann begreift man, dass ein Mensch, der Höheres sucht, dies Leben nicht mitleben kann. Wenn dann einer sich diesem Leben entzieht, dann sagen die Leute, er sei weltferner Askese verfallen, allerlei abstrakte, konfuse Ideen beschäftigen ihn. Man kann sich in diesen Kreisen nicht denken, dass ihr Leben mitzuleben gerade die größte Askese für einen solchen Menschen sein muss. Derjenige, der kennengelernt hat die Quellen, aus denen das Leben der Wirklichkeit fließt, das uns rings umgibt, der müsste sich sehr kasteien, wenn er das mitmachen müsste, was in solchen Kreisen Leben heißt, das würde für ihn wirkliche Askese sein. Nicht weil er dem Leben fremd geworden ist, sondern weil er das Leben in seiner wirklichen Gestalt kennt, deshalb kasteit er sich nicht, indem er das mitmacht.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Die Gefahren der Einweihung","site_heading":null,"date":"1907-12-19","location":null,"word_count":387,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/68a/1907-12-19/p004","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/68a/1907-12-19/p004"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/68a/1907-12-19/p004","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}