Die Gefahren der Einweihung
Freilich kommen auch von einer andern Seite gewisse Gefahren. Wer zum Beispiel die gesellschaftlichen Vorurteile hinaufträgt in die höheren Welten — die taugen da nichts —, wer sie nicht abstreifen kann, der wird nicht ohne Gefahr hinaufsteigen können. Daher muss sich der Mensch innere Freiheit, Unabhängigkeit aneignen in einem hohen Grade. Wer das nicht kann, der kann nur in einem geringen Grad weiterkommen. Nicht um äußere Unabhängigkeit handelt es sich hier, ein Mensch kann äußerlich noch so abhängig sein, innerlich aber kann die Seele vollständig frei sein. Man muss sich hüten vor zahlreichen Missverständnissen, die uns entgegentreten. Klar sollte sich sein derjenige, der wirklich den Weg der Wahrheit gehen will, dass ein Satz wertlose Worte sagen und dass derselbe Satz tiefe Wahrheit in sich tragen kann. Vor der Phrase, der bloßen Redensart muss sich hüten, wer ernsthaft den Pfad gehen will. Denn wenn auch in der Theosophie das höchste Licht waltet, so auch die allermöglichste Phrasenhaftigkeit und Hohlheit. Das ist eine Unsitte unserer Zeit, sie enthält aber eine wirkliche Gefahr für die Theosophie.
Cite:
GA 68a/1907-12-19/p021 · edition original