Die Gefahren der Einweihung

GA 68a/1907-12-19/p026 ·1907-12-19 · original (original)
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Noch ein anderes ist zu beachten bei demjenigen, der die im Innern schlummernden Kräfte, die ihn in die höheren Welten hinaufführen, entwickelt zu höheren Fähigkeiten. Alle Menschen haben sie; sie sind als Keim im Innern eines jeden Menschen, nur entwickeln die meisten Menschen sie in langen Zeiträumen. Wenn die Entwicklung dieser Kräfte beschleunigt wird, so wird auch alles andere im Menschenleben beschleunigt. Nehmen wir an, ein Mensch von 20 Jahren würde den Punkt, den er sonst mit 80 Jahren erreicht haben würde, schon in fünf Jahren erreichen. Da drängen sich auf einen Zwölftel alle diejenigen Dinge zusammen, die in sein Karma geschrieben sind. Alles, was er erfahren wird an Widerwärtigkeiten, an Hemmnissen des Lebens, wird eintreten in fünf Jahren. Diese Beschleunigung des Lebens wirkt wie eine Lokomotive, die in rasender Eile durch ein Schneegebiet hindurchrast gegenüber einer langsam fahrenden. Diese schiebt den Schnee langsam beiseite, die andere wird ihn schnell aufwirbeln. So ist es wirklich im Leben. Dasjenige, was sonst in längerer Zeit erlebt würde, drängt sich jetzt zusammen, und so zeigt sich für den Menschen, der den Erkenntnispfad zu gehen beginnt, dass er vieles erleben muss, was ihm seltsam vorkommt, namentlich im Beginn. Untugenden, Laster, Leidenschaften treten plötzlich auf; alles, was auf dem Grund der Seele liegt, muss heraus. Bei jeder Gelegenheit wird der Mensch Leidenschaften, Gelüste finden, die er längst überwunden zu haben glaubt. Sie müssen aber erscheinen, um völlig überwunden zu werden, um völlig zu verschwinden. Für denjenigen, der wirklich hinkommt an die Schwelle, steht ein Gewaltiges da, das in einem großen Bilde alles zeigt, was der Mensch noch an Niederem auf dem Grund seiner Seele hat. Alle Leidenschaften stehen in einem Bilde vor der Seele. Das ist der Hüter der Schwelle. Er begegnet dem Pfadsucher, und furchtlos muss er ihm entgegentreten. Ist er nicht furchtlos, kehrt er um, dann treten jene scheußlichen Bilder auf, die den Menschen einkerkern. Alle seine niederen Leidenschaften kerkern ihn im Spiegelbilde des Geistigen ein wie in einer Kammer. Das wird nicht geschildert, um jemanden abzuhalten, den Pfad zu suchen, sondern nur, um dem Suchenden den Pfad in der richtigen Weise zu ermöglichen.

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Cite: GA 68a/1907-12-19/p026 · edition original