Religion, Wissenschaft und Theosophie

GA 68a/1908-01-31/p009 ·1908-01-31 · original (original)
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Goethe versuchte zu erkennen, wie die alten Künstler die göttliche Gesetzmäßigkeit durchschauen lassen in ihren Kunstwerken. Da sah er in dem, was die alten Künstler schufen, Notwendigkeit, Gott. Für ihn war der echte Künstler der, der in seiner Seele das geistige Gotteslicht auffing, wie das Brennglas das physische Licht auffängt. Wenn Goethe in den Farben und Formen sah, dann erschien es ihm als echte Kunst. Wer in die Natur hineinblickt, der sehnt sich nach ihrer schaffenden Auslegerin, der Kunst. Goethe erkannte den engen Zusammenhang zwischen Natur und Kunst, wie in beiden dieselbe Gesetzmäßigkeit herrscht, und die Wissenschaft ist für ihn die rechte, wenn sie zu dieser Erkenntnis führt. «Wer Wissenschaft und Kunst besitzt, der hat auch Religion», sagt er deshalb. Für einen so hohen Geist konnte durch die Erkenntnis nur entstehen das Fühlen des Gottes in seiner die ganzen Natur durchflutenden Gesetzmäßigkeit.

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