Theosophie und Bibel

GA 68a/1910-11-29/p007 ·1910-11-29 · original (original)
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Wie die Methode ist, möchte ich an einem Beispiel klarmachen. Als Goetheforscher bemühte ich mich, einen viel umstrittenen Aufsatz — «Über die Natur» — als wirklich von Goethe herrührend nachzuweisen, es gab nämlich genügend Beweise dafür, dass Goethe die verschiedenen Sätze dem Schweizer Tobler, der ein ungewöhnlich gutes Gedächtnis hatte, während der täglichen Spaziergänge vorgesprochen hatte, und dieser sie gleich nachher nach dem Gedächtnis aufschrieb. Während ich der Meinung war, die geistige Urheberschaft Goethes deutlich auseinandergesetzt zu haben, bedankte sich ein angesehener Philologe sehr bei mir, dass ich doch endlich einwandfrei erwiesen habe, dass nicht Goethe, sondern Tobler der Verfasser sei! Also den heutigen Philologen kommt es darauf an, wer die Feder in die Tinte getaucht hat! So sucht man bei der Bibel nicht die geistigen Urheber, sondern die Schreiber zu erforschen. Wir aber brauchen nicht die Toblers, sondern die Goethes.

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