42. Blut ist ein ganz besondrer Saft
Am Menschen sehen wir zuerst seine äußere, physische Erscheinung, seinen Leib; aber wir ahnen nicht nur, sondern wissen, dass ein geistiges Innere in diesem Leibe waltet. Wir sehen durch das Physische das Geistige sich offenbaren; im Physischen zeigt sich, was den Menschen im Grunde seiner Seele bewegt. Wir sehen im Lächeln seine Freude, in den Tränen sein Leid. Das ganze Physische ist ein Zeugnis des Geistigen. Der Geist hat dem Körper aufgebaut: eine liebliche Erscheinung als das Bild einer lieblichen Seele; eine brutale physische Erscheinung, aufgebaut von einem brutalen Geiste. Das Seelisch-Geistige bezeichnen wir als das «Obere», das Physische ist das «Untere». Plato sprach vom «Oben» als vom Urbilde der Dinge. Alles, was uns umgibt, ist das Abbild eines Geistigen. Die Welt der Urbilder ist das «Obere». Wie der Schatten an der Wand vom Gegenstande, so ist das Untere das getreue Abbild des Oberen. Wer mit geistigem Auge die Welt betrachtet, sieht nicht nur das Materielle, er erblickt in der menschlichen Gestalt nicht nur Auge und Ohr, Körper und Glieder, er vermutet auch eine Seele dahinter.
Cite:
GA 68b/1906-11-30/p007 · edition original