43. Blut ist ein Ganz Besondrer Saft
Man spricht von der Blutsverwandtschaft. Der Name ist nicht ganz richtig. Was ihm zugrunde liegt, versinnbildlicht Ihnen die neulich erzählte Geschichte von Anzengruber und Rosegger. Anzengruber hatte Bauern zu Vorfahren, deshalb kann er sie schildern. So bildlich dies erscheint, ist es doch die tatsächliche Wahrheit. Das Blut selbst vererbt sich nun nicht, das wird immer neu gebildet. Das Blut und alle seine Organe sind dasjenige, was sich beim Tier- und Menschenkeim am allerletzten bildet. Was sich vererbt, ist das, was hinter dem Blut liegt, die Formen, die Struktur zum Beispiel der Nase, des Gehirns sogar und so weiter. Wir verbinden das Geerbte mit dem innersten Selbst, indem wir es auf das Blut wirken lassen; dadurch wird es unser Eigentum. So durchpulst das Blut ganze Generationsreihen, obwohl es immer ein neues Blut ist.
Cite:
GA 68b/1907-01-11/p016 · edition original