7. Wie begreift man Krankheit und Tod?
Nur damit Sie sehen, welche schöne Aufgabe unser harrt, sei auf einiges wenige hingewiesen, was von bedeutenden Menschen beigebracht worden ist, um diesen Dingen näherzutreten. Schopenhauer, der Philosoph des Pessimismus, der über das Leid des Lebens nachgedacht hat und von ihm berührt worden ist, sagte, das Leben sei eine missliche Sache, und er wolle es zunächst damit hinbringen, dass er über dasselbe nachdenke. Dieser hat Mannigfaltiges über den Tod vorgebracht. Aber wenn wir es uns nur ein wenig vorlegen, so sehen wir, dass selbst ein tiefer Denker diesen Fragen gegenüber leicht versagen kann. Eine Sache scheint uns grotesk: Schopenhauer hat versucht, eine Art Gefühlsverständnis der Menschheit zu eröffnen gegenüber dem Tod. Er sagte: Der Mensch fürchtet sich vor dem Tode. Wahrlich, da das Leben eine so schlimme Sache ist, braucht er das nicht, denn der Tod ist ein Erlöser. Empfindet man das Leben als ein Leidvolles, so tröstet der Tod. Man kann sich sagen, er schließt es. — So sah Schopenhauer in den schlimmen Seiten des Lebens einen Trost gegenüber dem Tod, und im Tod einen Trost gegenüber der schlimmen Sache des Lebens.
Cite:
GA 68b/1907-01-21/p005 · edition original