7. Wie begreift man Krankheit und Tod?
Nehmen Sie an, hier stünde ein Klavier, ein Spieler spielte, es säße daneben ein Tauber; der kann von dem nichts hören, was der Spieler den Saiten entlockt. Aber es gibt eine Methode, sie ihm wahrnehmbar zu machen, diese Dinge, die da vorgehen. Man setzt Papier-Reiterchen auf die Saiten, sie werden durch das Spielen abgeworfen, eine gewisse Anschauung kann er bekommen von dem, was die anderen hören. Wie sich dem [Tauben] seine Welt der Töne, die er nur auf dem Umweg der Reiterchen wahrnimmt, verhält zu der Welt der Hörenden, so verhält sich dasjenige, was innerhalb der materiellen Welt erforscht wird, zu dem, was einer erfahren kann, dem höhere Organe erschlossen sind. Und nichts anderes nimmt dieser als seine Behauptung in Anspruch, als die Wahrheit, dass es zu allen Zeiten Menschen gegeben hat, die solche höheren Organe hatten und eine andere Welt sahen. Nicht durch Spekulation, sondern durch eine höhere Wahrnehmung kommt die Geisteswissenschaft auf das, was sie nun ähnlich der erspekulierten Lebenskraft den Lebensleib oder Ätherleib nennt. Das ist dasjenige, was die leblosen Stoffe, die bloß chemisch-physischen Prozesse zum Leben aufruft und was der Mensch gemeinsam hat mit der Pflanzen- und Tierwelt.
Cite:
GA 68b/1907-01-21/p022 · edition original