32. Die Abstammung des Menschen

GA 68b/1907-10-31/p004 ·1907-10-31 · original (original)
Record: listeners' notes. Written from listeners' notes, summaries, or memory rather than a shorthand transcript. The wording is the note-taker's as much as Steiner's: weigh a single striking phrase here far more cautiously than the same phrase in a stenographic volume, and do not rest an argument on one word. Evidence: «Da keine professionellen Stenogramme vorliegen, handelt es sich oftmals um notizenhaft festgehaltene Zusammenfassungen oder Berichte.» (Since no professional shorthand transcripts exist, these are often summaries or reports kept in the form of notes.). The publisher's description of the volume, as mirrored on AnthroWiki (GA 68b). The translation is the maintainer's, not a published one.

Nun ist es aber von dem Standpunkte aus, von dem heute zu Ihnen gesprochen werden soll über die Abstammung des Menschen, schwer, sich auch nur unseren Zeitgenossen, wenn sie nicht schon durch Geisteswissenschaft irgendwie darauf vorbereitet sind, auch nur verständlich zu machen, denn gegenüber dem, was heute von vielen Seiten vorgebracht wird über Abstammung oder Ursprung des Menschen, wird das, was wir in dieser unserer Betrachtung jetzt zu sagen haben, sich ausnehmen, wie wenn es in einer ganz, ganz anderen Sprache gesprochen wäre; und bei dem großen Interesse, welches heute dieser Frage entgegengebracht wird, und bei der öffentlichen Suggestion — so dürfen wir es vielleicht nennen —, welche nicht die wahre Wissenschaft ist, wohl aber manche Schlagworte, die aus dieser Wissenschaft gefunden worden sind und die heute das Denken vielfach beherrschen, bei alldem wird vieles von dem heute Vorgebrachten vielleicht manchem noch mehr als das schon in den drei letzten Vorträgen [dieser Serie] hier Gesagte noch viel mehr wie eine bloße Träumerei, wie eine Phantastik erscheinen. Wir müssen uns, wenn zwei so grundverschiedene Dinge einander gegenüberstehen wie das, was eine mehr materialistisch — das Wort braucht nicht gepresst zu werden — gefärbte Weltanschauung zu sagen hat über die Abstammung des Menschen und dasjenige was die Geisteswissenschaft, wie wir sie hier betrachten, vorzubringen hat, wenn zwei so verschiedene Dinge einander gegenübertreten, dann, dann muss man vor allen Dingen sich zuerst eines so recht einmal vor die Seele führen. Wer sich heute eingelebt hat in die Begriffe, in die Vorstellungen, die unsere Populärliteratur beherrschen, wenn von Abstammung des Menschen die Rede ist und behauptet wird, es wird über diese Abstammung des Menschen ja [so] gesprochen, wie es nach [sicheren] Tatsachen der Wissenschaft sein muss; [wenn einem das entgegentritt], wenn man sich da hineingelesen hat in die populäre [oder meinetwegen auch in die mehr oder weniger wissenschaftliche] Literatur, so muss man sich doch vor Augen halten, dass die Begriffe, die Vorstellungen, die sich jemand annimmt, nicht immer durchaus beruhen auf wirklicher Betrachtung, [auf] wirklicher Beobachtung, sondern auf [der] Autorität, welche auf eine, man möchte sagen, geheimnisvolle, mystische Art - und zwar dieses Wort im schlimmsten Sinn gebraucht - [übernommen ist von dem, was einmal populär ist], von dem, was einmal Ansehen hat.

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