32. Die Abstammung des Menschen
Uns interessiert an dieser merkwürdigen Rede des freien Mannes allerdings der Hinweis auf den Großen Geist, den er überall vermutete. Im Rauschen der Bäume, [im Rieseln der Quellen], selbst in Donner und Blitz, [in allen Naturerscheinungen] sprach zu ihm [der göttliche], der große Geist. Merkwürdig an dieser «wilden» Bevölkerung: [diese monotheistische Religion], dieses Fernsein alles Aberglaubens in ihrer durch gewiss mancherlei Aberglauben, der vorhanden war, durchleuchtenden Grundüberzeugung in religiösem Sinn. Man braucht wahrhaftig nicht sonderlich weit zu gehen mit seiner Logik, dann wird man einsehen können, dass von denen, die überwunden worden sind durch die Europäer, von denen stammen allerdings nicht die Europäer ab, aber beide, [die europäische wie diese amerikanische Bevölkerung], stammen ab von einem gemeinsamen Volke, welches sicher eine wunderbare Naturreligion gehabt haben muss. Das wird eine Hypothese sein, wenn man auf dem Standpunkt der sinnesphysischen Tatsachen [steht]; das ist eine Gewissheit, wenn man [geisteswissenschaftlich mit denjenigen Methoden forscht, worüber wir in den nächsten Vorträgen sprechen werden, namentlich im zweitnächsten, der über Einweihung handelt]. Die amerikanische Bevölkerung, sie war zurückgegangen in gewisser Beziehung, hatte die rein ursprüngliche Vorstellung verloren und nach anderer Seite [zu einem niedrigen] sich hinentwickelt; der Europäer von seinem Standpunkte sich hin[auf Jentwickelt. Da geht uns der Begriff von einer Entwicklung auf, wie er uns ganz, ganz andere [Aus-] Sichten zeigt als jener einfache Begriff der Entwicklung, den man uns so gerne hinstellen möchte als den einzig Möglichen. Wir sehen, wie diese Entwicklung ganz und gar nicht einfach ist, [wie wir] voraussetzen [müssen] frühere Zustände des Daseins, aus denen das Heutige [her] vorgegangen ist; [wie dasjenige, was heute als Unvollkommenes im Unvollkommenen lebt], sich ausnimmt wie ein Abgezweigtes, das nach der Unvollkommenheit hin sich entwickelt. Wenn wir zurückgehen könnten in Zeiten urferner Vergangenheit, würden wir Völker finden, die die Ahnherren sind der europäischen [Bevölkerung] wie auch jener überwundenen amerikanischen Indianer. Der Weg der Entwicklung ging so, dass eine gerade Entwicklung [Richtung] hinführte zu der heutigen ausgebildeten Bevölkerung. Die[jenige] aber, [die] nicht mitkam, nicht aufnahm, was hätte führen können zur Vollkommenheit, kam zu einem Niedergange. Nicht von ihnen stammen die anderen ab, sondern sie [stammen] von einem gemeinsamen Vorfahren ab, andere sind hinweggeschritten. [Sie sind nicht bloß /unsichere Lesung] zurückgeblieben auf anderem Standpunkt, sondern] weil sie zurückgeblieben sind, zeigen sie heute einen Zustand, der in alten Zeiten niemals vorhanden war. Weil [sie sich] nicht fortentwickeln konnten, sind [sie] zurückgegangen.
Cite:
GA 68b/1907-10-31/p015 · edition original