34. Erdenanfang und Erdenende
Die Geisteswissenschaft aber sagt: [Gewiss], mit den Fähigkeiten der Menschennatur, von denen eine solche Weltanschauung spricht, die sich nur auf die Sinneswelt beschränkt, können wir nicht in die übersinnliche Welt eindringen. Aber die Geisteswissenschaft hält in viel strengerem Sinne als jede auf äußere Tatsachen gegründete Erkenntnis fest an dem, was wir Entwicklung nennen. Von Entwicklung wird heute viel gesprochen — auch wird nachgewiesen, wie sich der Mensch durch viele Stufen hinaufentwickelt hat zu seiner gegenwärtigen Gestalt. Aber wenn diese Anschauung da angekommen ist, möchte sie stehen bleiben auf einem gewissen Punkt. Sie nimmt an, der Mensch hat sich entwickelt bis jetzt; aber von Weiterentwicklung will diese Anschauung nichts wissen. Es hat das eine sonderbare Inkonsequenz, die man vielleicht theoretisch nicht zugibt, die sich aber Schritt für Schritt in Gesinnungen und Gefühlen ausdrückt dadurch, dass man sagt: Der Mensch hat sich entwickelt, aber von einer Weiterentwicklung kann keine Rede sein.
Cite:
GA 68b/1907-12-16/p012 · edition original