8. Das Geheimnis des Todes und das Rätsel des Lebens
Die physische Wissenschaft mag manches einwenden gegen solche Dinge, aber gegen die Forschungsergebnisse der Wissenschaft verstößt das nicht, dass geistige Vorgänge hinter den Tatsachen wirken. Wenn man immer wieder von der physischen Forschung aus etwas einwenden will gegen die Lehren der Geisteswissenschaft über die geistigen und seelischen Vorgänge, so kann man auf folgendes Beispiel einer ähnlichen Beurteilung hinweisen. Wir nehmen an: Ein Mensch gibt einem andern eine Ohrfeige. A hat beobachtet, dass der eine eine Zornaufwallung hatte und daher sich verleiten ließ, dem andern eine Ohrfeige zu geben. B aber sagt: Ich habe doch gesehen, wie seine Hand sich erhob, wie sie sich gegen des andern Gesicht bewegte, und daher entstand die Ohrfeige. Das mit der Zornesaufwallung ist Unsinn! — So beurteilt die physische Forschung, wenn sie den Ergebnissen der Geistesforschung gegenüber auf die Wahrheit der äußeren Tatsachen pocht. Wir erkennen die Welt nur zum geringen Teil, wenn wir nur die äußeren Tatsachen beurteilen und beobachten. Alles, was in der Welt geschieht, was die Physik erforscht, was die äußere Beobachtung uns zeigt, das sind nur die Gebärden des Seelenlebens der Welt. Ganz anders verhält es sich mit dem Menschen im Tode als im Schlaf. Dann löst sich nicht bloß das Ich mit dem Astralleib heraus, sondern es geht auch der Ätherleib mit und es bleibt nur der physische Leib zurück. Der Ätherleib ist während des Lebens ein fortdauernder Kämpfer gegen den Verfall des physischen Leibes. In dem Augenblicke aber zerfällt der physische Leib, wenn der Ätherleib ihn verlässt. Unmittelbar nach dem Tode sind das Ich, der Astral- und Ätherleib zusammen — eine kurze Weile. Es ist nicht bei allen Menschen gleich nach dem Tode, dass diese drei noch zusammen sind, sondern es dauert bei jedem Menschen noch so lange, wie der Mensch hat existieren können ohne Schlaf.
Cite:
GA 68b/1908-02-01/p012 · edition original